Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten vom 01.12.2005
Dasrshan - Die Umarmung
Besuch bei einer göttlichen Mutter
Weit über 20 Millionen Menschen soll Mata Amritanandamayi (53) schon umarmt haben. Nicht, um einen Rekorde auszustellen, sondern weil diese Umarmung - Darshan genannt - für die südindische Hinduistin ein Zeichen spiritueller Kraft darstellt, gleichwohl eine simple Geste der Liebe. Von ihren Anhängern wird sie Amma genannt und als Heilige und Reinkarnation einer göttlichen Mutter verehrt.
Der holländische Filmemacher Jan Kounen ("Blueberry") hat sie mit der Kamera begleitet. Wer bislang noch nichts von der Frau gehört hat, die 2002 von der Uno für ihr soziales Engagement mit dem Gandhi-King-Preis geehrt worden ist, auf den können die oft unterwürfig wirkenden Zeremonien befremdlich wirken, aber sie können auch neugierig machen (mehr Infos finden sich im Internet unter www.amma.de).
Allerdings erweist sich der Dokumentarfilm, der als "Reise tief in das Herz Indiens" verkauft wird, als zu vage. Weder nimmt er die Zuschauer mit auf eine Tour durch den Subkontinent (von ein paar wenigen Stationen abgesehen) noch beleuchtet er den Lebensweg seiner Hauptfigur eingehend. Das aber liegt auch an Amma selbst: "Wahre Gurus leben für ihre Schüler, sie erwarten nichts von ihnen", sagt sie.
Kounen gibt sich so bescheiden wie die spirituelle Führerin und Initiatorin zahlreicher Hilfsprojekte, die nicht diskutieren mag, weil sie weiß, dass es zu viele Standpunkte zu betrachten gäbe. Er hält es mit Ammas Bemerkung, dass die Menschheit Sklave einer äußeren, vom Geld bestimmten Welt sei und vergessen habe, nach inneren Werten zu forschen. Wahre Worte kurz vor Weihnachten.
Thomas Volkmann
01.12.2005 - aktualisiert: 01.12.2005 13:22 Uhr