Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten vom 13.09.2007
Death Sentence - Todesurteil
Kevin sieht rot
Ein Schuss fällt, eine Machete blitzt: Vater und Sohn sind zur falschen Zeit am falschen Ort. Der Sohn einer US-Vorzeigefamilie ist tot, der Killer droht der Justiz zu entkommen, also greift Vater Nick (sichtlich gereift: Kevin Bacon) selbst zur Waffe - und tritt eine Lawine der Gewalt los, denn auch die Freunde des Killers haben ihre ureigene Auffassung von Gerechtigkeit.
Nicht von ungefähr fühlt man sich in James Wans Film an den Genre-Klassiker "Ein Mann sieht rot" mit Charles Bronson erinnert: Damals wie heute geht es um Selbstjustiz und ihre Folgen. Was zählt ist nicht psychologisch fundierte Aufarbeitung, sondern nur der Thrill. Und den beherrscht Wan, der seinen Film über weite Strecken äußerst spannend inszeniert hat. Bei einer Verfolgungsjagd im Parkhaus. (Kamera: John R. Leonetti) gerät der Zuschauer genauso außer Atem wie der gejagte Kevin Bacon. Der grobkörnige, fast schwarz-weiße Look der Cinemascope-Bilder suggeriert Authentizität.
Kevin Bacon nimmt man zwar den fürsorglichen Daddy zweier halbwüchsiger Söhne nicht ab, wohl aber den eiskalten Rächer. Und John Goodman als dubioser Waffenhändler und Vater des Hauptbösewichts, mehr Karikatur als Charakter, brilliert in gewohnter Manier. Das Drehbuch weist hin und wieder Schwächen auf. Insbesondere dann, wenn es meint, gängige Klischees des Rächer-Genres bedienen zu müssen. Doch die handwerklich solide Inszenierung lässt darüber gerne hinwegsehen. Nur etwas weniger Blut hätte dem Film sicher besser zu Gesicht gestanden.
Wolfram Hannemann
13.09.2007 - aktualisiert: 13.09.2007 11:45 Uhr