Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten vom 04.10.2007
Planet Terror
Zombie-Nostalgie für die Mittvierziger
Wenn in Robert Rodriguez' neuestem Werk das Bild von Laufstreifen überzogen ist und der Ton mit Störungen aller Art aufwartet, wenn der Film an einer Stelle plötzlich stehenbleibt und durchbrennt, liegt das nicht am Vorführer. Mit heutiger Projektionstechnik ist so etwas kaum noch möglich, es braucht schon hochmoderne digitale Bildgestaltung. Darauf setzt Rodriguez, nicht aus reinem Selbstzweck, sondern aus künstlerischem Kalkül - denn was wäre ein richtig ekliger, hanebüchener Zombie-Film ohne eine schlechte Filmkopie?
Mit "Planet Terror" huldigt der Regisseur einem stets verpönten, aber von Millionen weltweit geliebten Genre: dem Trash-Horror. Wie Quentin Tarantino in "Death Proof", in den USA mit "Planet Terror" als Doppelpack im Kino, tut Rodriguez alles, um den Film so aussehen zu lassen, als sei er aus den frühen 70ern. Kameraführung, Musikeinsatz, Spezialeffekte, er hat an alles gedacht. Sogar der Trailer zu einem imaginären Film namens "Machete", dem Hauptfilm vorangestellt, ist Teil der Show, Trailer für zwei weitere fiktive Filme werden dem deutschen Publikum leider vorenthalten.
Die Handlung - wenn man sie als solche bezeichnen wollte - ist genauso an den Haaren herbeigezogen wie die darin agierenden, klischeehaften Charaktere, deren dramaturgische Entwicklung durch kübelweisen Einsatz von Blut und Gedärm augenzwinkernd verhindert wird. Da muss sich eine kleine Schar von mehr oder minder abgewrackten Menschen des Nächtens gegen eine Überzahl von Zombies wehren. Dass dabei manches Körperteil geopfert wird, ist hier vollkommen normal. Schließlich waren es genau solche reißerischen Szenen, die Pubertierende Ende der 60er und Anfang der 70er Jahre ins Kino lockten. Genau diese, zumeist männlichen Fans haben die Filmemacher im Visier. Inzwischen im besten Alter, dürften sie dieses künstlich inhaltslos gehaltene Werk goutieren und mehr als einmal schmunzeln ob dieses nostalgischen Horror-Trips.
Als besondere Leckerbissen gibt es Gastauftritte von Bruce Willis sowie Make-up-Experte Tom Savini, der zahllose Horrorfilme mit Masken versorgte. Ein Film mit Kultpotenzial, der zart Besaiteten nicht zu empfehlen ist.
Wolfram Hannemann
04.10.2007 - aktualisiert: 04.10.2007 13:33 Uhr