Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten vom 29.11.2007
Mr. Brooks - Der Mörder in dir
Mit dem Mörder auf der Pirsch
Eigentlich hat Earl Brooks alles, was für einen Mann im Leben wichtig zu sein scheint: ein florierendes Unternehmen, eine liebevolle Ehefrau, eine reizende Tochter und eine Prachtvilla. Doch das ist alles nur Fassade. Denn der soeben zum "Mann des Jahres" gekürte Fabrikant führt ein unheimliches Doppelleben.
Nachts schleicht er sich unbemerkt aus dem Haus, um seinem ungeheuren Drang nachzugeben, Menschen zu töten. Eine bis ins kleinste Detail geplante Vorgehensweise hat ihm dabei stets die Polizei vom Leib gehalten. Doch sein perfekt organisiertes Doppelleben gerät bald kräftig ins Wanken. Nicht nur, dass er bei einem seiner Morde beobachtet wird und fortan einen Bewunderer im Schlepptau hat, wird auch noch die Tochter in einen mysteriösen Mordfall auf dem College-Campus verwickelt ...
Was als unterkühlter Serienmörder-Thriller beginnt, entpuppt sich als rabenschwarze Komödie. Kevin Costner in der Rolle des schizophrenen Familienvaters mit dem Hang zum Morden führt immer wieder Zwiegespräche mit seinem Alter Ego - und es ist ein genialer Regieeinfall, die dunkle Seite des Mr. Brooks durch einen Schauspieler für das Publikum sichtbar zu machen, personifiziert durch den noch genialeren William Hurt, der diabolisch und sarkastisch als Mr. Brooks' anderes Ich diesen immer wieder herausfordert. Richtig zynisch geht's zur Sache, wenn Mr. Brooks seinen Bewunderer mit auf die Pirsch nimmt.
Es ist fast fast unmöglich, die Handlung vorherzusehen
Dem Regisseur gelingt es trotz morbider Scherze, den Film von Anfang bis Ende extrem spannend zu inszenieren. Das liegt natürlich auch am hervorragenden Drehbuch, das sich vom Zuschauer nicht ohne weiteres in die Karten schauen lässt. Es ist fast unmöglich, den Fortgang der Story vorherzusehen. Im krassen Gegensatz zu den relativ ruhigen Szenen der Haupthandlung wirken die wenigen Actionsequenzen, in denen Demi Moore als Ermittlerin kräftig von der Schusswaffe Gebrauch machen darf, etwas aufgesetzt. Für die Entwicklung der Story jedenfalls sind sie nicht unbedingt erforderlich, erfreuen sich dafür aber einer extrem dynamischen Tonspur in dem ansonsten eher subtil gehaltenen Werk. Die Begegnung mit Mr. Brooks garantiert beste Kinounterhaltung.
Wolfram Hannemann
29.11.2007 - aktualisiert: 29.11.2007 12:15 Uhr