Stuttgart - Die Soziologin Marina Rupp ist stellvertretende Leiterin des Staatsinstituts für Familienforschung in Bamberg. Nach ihrer Meinung sind Politiker-Ehen schweren Belastungen ausgesetzt.
Frau Rupp, sind Politiker-Ehen zum Scheitern verurteilt?Nein. Es gelingt vielen Politikern, Familienleben und Politik zu vereinbaren. Ich würde aber vermuten, dass Politiker-Ehen eher scheitern als andere Ehen, weil sie ganz besonderen Belastungen ausgesetzt sind.
Was sind das für Belastungen?Es herrscht ein größerer Stress, weil man viel zu verschiedenen Terminen unterwegs ist. Und man darf den umfänglichen Arbeitsalltag von Politikern nicht vergessen.
Wie wirkt sich das auf die Ehe aus?Das Entscheidende ist: Was bindet Menschen aneinander? Das sind gemeinsame Interessen, dazu gehört geteilte Zeit, etwa dass man sich um das gemeinsame Kind oder ums Haus kümmert. Solche Gemeinsamkeiten helfen dann auch, schwierige Abschnitte in der Ehe zu überbrücken.
Aber meist können sich Politiker diese Zeit nicht nehmen und keine Gemeinsamkeiten mehr mit dem Partner herstellen.Das ist auch in anderen Berufsgruppen der Fall, in denen die Männer tagelang unterwegs sind. Wenn die Partner dadurch ein paralleles Leben führen müssen, entfernen sich die Lebensalltage stark voneinander.
Mit welchen Konsequenzen?Das kann dazu führen, dass zum Beispiel derjenige Partner, der zu Hause bleibt und sich um die Familie kümmert, sich stark vernachlässigt oder ausgegrenzt fühlt. Dann wird es oft schwer, diese Partnerschaft noch aufrechtzuerhalten.
Und dazu kommt noch das öffentliche Interesse, das eine Politiker-Ehe befriedigen muss. Wie schätzen Sie diese Belastung ein?Wenn man permanent das Gefühl hat, beobachtet zu sein, ist das natürlich auch eine Art von Stress. Wenn Sie überall, wo Sie hinkommen, Hände schütteln müssen, freundlich sein müssen, kann das dazu führen, dass ein Partner das Bedürfnis entwickelt, sich stärker zurückzunehmen, und sich dadurch die Partnerschaft mit dem beruflichen Engagement noch schwerer vereinbaren lässt.