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Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten vom 17.01.2008

Der Nebel

Draußen das Grauen

Es ist nicht die Ruhe vor dem Sturm, sondern der Nebel danach, der den Bewohnern eines kleinen Hafenstädtchens in den USA zu schaffen macht. Nicht einmal die Hand vor Augen kann man mehr sehen. Damit nicht genug - der alles verhüllende Nebel verbirgt auch noch etwas Unheimliches, Todbringendes. Dem bunt zusammengewürfelten Haufen Dorfbewohner im lokalen Supermarkt bleibt nichts anderes übrig, als dort auszuharren. Eingepfercht zwischen Dosenbohnen und Hundefutter und abgeschnitten von der Außenwelt liegen schnell die Nerven blank - die klaustrophobische Situation wird zur Belastungsprobe. Doch nicht nur zwischenmenschliche Dramen nehmen ihren Lauf. Denn als das Rollgitter im Lager vorsichtig geöffnet wird, um die Lage auszuspähen, dringen plötzlich meterlange Tentakel ins Innere und schnappen sich den Nachwuchs-Filialleiter ...

Nach "Die Verurteilten" und "The Green Mile" inszeniert Frank Darabont bereits zum vierten Mal einen Film nach einer Vorlage des Horrorgurus Stephen King. Warteten die ersten Werke noch mit vollkommen unverbrauchten, gar originellen Sujets auf, so zeigt "Der Nebel" doch klare Parallelen zu John Carpenters Horrormär "The Fog - Nebel des Grauens". Hier wie dort wird mit der Angst des Menschen vor etwas Unheimlichem gespielt, das sich im Schutze einer undurchdringlichen Nebelbank auszubreiten versucht. Doch anders als Carpenter, der seinen Horror aus kalkulierten Schockeffekten bezog, besticht Darabonts Inszenierung durch ihre apokalyptische Grundstimmung.

Die Ohnmacht der kleinen Gruppe im Supermarkt gegenüber den unfassbaren Geschehnissen im Nebel vermittelt dem Zuschauer, was vielen zeitgenössischen Horrorfilmen nicht gelingt: wahrhaftes Grauen zu erzeugen und eine fesselnde Atmosphäre. Der sehr sparsame Einsatz von Filmmusik (Mark Isham) und eine an Doku-Soaps angelehnte, nervöse Kamera (Ronn Schmidt) bringen einen dokumentarischen Charakter, perfekt ergänzt durch brillante visuelle Effekte, die hier einmal nicht dem reinen Selbstzweck dienen.

Auch das Schauspielerensemble ist handverlesen, insbesondere Marcia Gay Harden überzeugt als religiöse Fanatikerin. Einzig Thomas Jane als Familienvater, der sich mit seinem Sohn in den Supermarkt gerettet hat, wirkt über weite Strecken des Films eher teilnahmslos denn angespannt. Allerdings tut dies dem positiven Gesamteindruck keinerlei Abbruch. "Der Nebel" ist bestes Genre-Kino mit Tiefgang und nachhaltiger Wirkung.
 

Wolfram Hannemann

17.01.2008 - aktualisiert: 17.01.2008 11:07 Uhr

 


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