Nürnberg/München/Stuttgart - Und nun: Hat sich im politischen Koordinatensystem etwas verändert, da sich SPD und FDP übers Wochenende zu Konvent und Parteitag zusammengefunden haben? Kommt darauf an. Darauf nämlich, was man unter Veränderung versteht.
Kurt Beck hat sich in Nürnberg ein wenig Zeit erkauft. Er hat eine offensive, kämpferische Rede gehalten. Er hat damit immerhin einen gewissen Führungsanspruch untermauert. Oder weniger pompös ausgedrückt: Er hat vermieden, endgültig zu stolpern. Es war vermutlich sogar der beste Beck, der sich dem Parteivolk bislang als Redner gezeigt hat – angriffslustig, nicht ohne Witz, klar und ohne Weinerlichkeit.
Gut, aber viel heißt das nicht. Beck hat schon so viel angerichtet, dass es schwer vorstellbar ist, er könne noch mal wie Phönix aus der Asche zum „Come-Beck“ ansetzen. Dennoch hat er mit seinem recht beherzten Auftritt seiner Partei einen Dienst erwiesen. Sie braucht nun keinen Schnellschuss in der Kandidatenfrage. Jetzt wird man sich erstmal in die Sommerpause retten. Und dann kommt die Bayern-Wahl. Da liegen noch viele Lose in der Trommel. Erleidet die CSU Schiffbruch, wird alles unübersichtlich. Für die SPD wäre das ein Erfolg. Beck will sich auch in eigener Sache so lange wie möglich Optionen offenhalten. Er hat ohne Widerstand der Partei in Nürnberg die Öffnung zur FDP zur offiziellen SPD-Linie gemacht. Das ist wichtig, denn Beck glaubt, dass nur er – erfahren im Umgang mit den Liberalen – die Sozialdemokraten in ein Ampelbündnis führen könnte.
Die FDP will das eigentlich nicht. Aber auch sie wird es nicht ungern sehen, dass sich da im Falle eines Falles eine weitere Tür zur Macht im Bund geöffnet hat. Das also ist die eigentliche Veränderung des Wochenendes: Es liegen etwas mehr Möglichkeiten auf dem Pokertisch. Alles unter der Voraussetzung, dass man der SPD die Abgrenzung zu den Linken wirklich glaubt. Das bleibt heikel, und dafür sorgt auch Gesine Schwan. Sie teilt aus. Gegen die Bürgerlichen, gegen die Linken. Das soll die SPD einen. Das Werben um die anderen beginnt erst nach der Bayern-Wahl.