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Gerlingen

Disco droht Zwangsräumung

Mit einer Räumungsklage will der Zwangsverwalter die Tanzstätte Flic Flac leeren lassen.
Foto: Franziska Kraufmann

Zwangsverwalter will umstrittenen Tanztempel schließen lassen – Versteigerung Ende Juli
 

Gerlingen – Saufgelage in der Tiefgarage, Mietstreitereien und ein hinter Gittern sitzender Betreiber – die Tage der Discothek Flic-Flac sind offenbar gezählt. Mit einer Räumungsklage will der Zwangsverwalter das Tanzlokal bis Sommer schließen lassen.

"Kein Anschluss unter dieser Nummer" – wer sich telefonisch nach der Zukunft der Discothek Flic-Flac erkundigen will, hat Pech. Der Festnetzanschluss des weit über Gerlingen hinaus bekannten Etablissements in der Dieselstraße ist abgemeldet, auch über die auf der Homepage genannte Mobilfunknummer hat die mehrfache Bitte um einen Rückruf keinen Erfolg – obwohl nach wie vor Veranstaltungen in dem Tanztempel stattfinden, macht das Flic-Flac den Eindruck, als hätte es schon längst zu.

Manfred Dobler kennt das Problem: "Rund um die Disco gibt’s dauernd Theater und nie ist ein Ansprechpartner erreichbar", beklagt der Rechtsanwalt und Steuerberater. Vom Amtsgericht ist der Stuttgarter als Zwangsverwalter für das Objekt eingesetzt – und will endlich klare Verhältnisse schaffen. Bis Sommer soll der Betrieb im Tanzlokal eingestellt werden, den nötigen Räumungstitel hat Dobler auf dem Schreibtisch. "Ich werde das rigoros durchsetzen", kündigt der Rechtsanwalt entschlossen an.

Der zweifelhafte Ruf der Disco schade dem Freizeitpark immens. Neben dem Flic-Flac sind ein Fitness-Studio, eine Bowlingbahn, eine Pizzeria und eine Spielothek in dem Komplex im Gewerbegebiet Ost untergebracht. Schmuddel-Image und Schlagzeilen sind auch den Nachbarn ein Dorn im Auge. "Wir sind froh, wenn die Disco weg ist", bekennt die Geschäftsführerin eines nahe gelegenen Betriebs. Ihren Namen will die Frau nicht nennen – aus Angst vor Einschüchterungsversuchen wird übers Flic-Flac nur hinter vorgehaltener Hand geredet.

Zwangsverwalter Dobler kennt da weniger Scheu: "Die Disco ist ein Schandfleck fürs ganze Areal. Die Polizei ist quasi Dauergast, in der Tiefgarage finden regelrechte Orgien statt, die Besucher benehmen sich wie die Sau." Dass sich niemand um die zerstörten Neonröhren, Glasscherben und Fäkalien im Parkhaus kümmert, kommt nicht von ungefähr: Betreiber Jürgen M. muss seine Geschäfte in der Gefängniszelle führen. Im November 2005 wurde der gelernte Installateur wegen Mordversuchs zu elf Jahren Haft verurteilt.

Weil auch Türsteher, Barkeeper und der Schwager hinter Gitter wanderten, ist es fast ein wenig verwunderlich, dass im Flic-Flac noch getanzt wird. Offenbar wird die Disco am Wochenende von türkischen Veranstaltern genutzt, ab und an finden laut Nachbarn auch italienische Nächte an der Dieselstraße statt. Die Betriebsgesellschaft R + K Diskotheken hingegen scheint sich in Luft aufgelöst zu haben – unter der Adresse in Neuburg an der Donau meldet sich angeblich nichtsahnende Verwandschaft des Disco-Chefs, die zugehörige Telefonnummer führt Anrufer zum örtlichen Kieswerk.

Miete wurde fürs Flic-Flac ohnehin kaum gezahlt. Nach Recherchen unserer Zeitung war schon 2005 ein Pachtrückstand von 540.000 Euro aufgelaufen – mit 425.000 Euro steckte der auch wegen Beleidigung verurteilte Jürgen M. privat in der Kreide.

Weil der Disco-Betrieb kein Geld abwarf, gerieten auch die Besitzer des Areals, Peter Augsten und sein verstorbener Kompagnon Franz Scheuerlein, ins Schuldenboot. Die Geschäftsleute aus Hof in Bayern steckten schon nach der Pleite ihrer Baufirma 2002 in Schwierigkeiten. Jetzt will die Aareal bank in Wiesbaden als Gläubiger ihr Geld. Die für die Verwaltung des Freizeitparks Gerlingen zuständige KG ist laut Insolvenzverwalter Gunther Neef bereits aufgelöst.

Die Zwangsversteigerung hat das Amtsgericht Ludwigsburg auf Ende Juli angesetzt. Allein der Verkehrswert der 1975 erbauten Disco liegt bei 1,2 Millionen Euro, das Areal wird auf 5,2 Millionen Euro taxiert. Ob es überhaupt zur Versteigerung kommt, ist für Zwangsverwalter Dobler aber fraglich: "Das Konzept des Freizeitparks ist ja gut", hofft er noch auf eine gütliche Einigung mit Investoren. Familie Bersaglio muss wohl nicht um ihre Pizzeria fürchten, auch das Fitness-Studio dürfte nach dieser Planung weiter existieren. Nur im Flic-Flac wird künftig wohl nicht mehr getanzt.
 

Sascha Schmierer, StN

04.06.2008 - aktualisiert: 04.06.2008 17:56 Uhr

 



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