Stuttgart - Herzlichen Glückwunsch, Wilbär! Der Eisbären-Sprössling der Stuttgarter Wilhelma wird an diesem Dienstag schon ein halbes Jahr alt und hat dem Zoologisch-Botanischen Garten in dieser Zeit ein deutliches Besucherplus beschert. Im Vergleich zum rekordverdächtigen Vorjahr sei die Zahl der verkauften Tageskarten in den ersten fünf Monaten um 7 Prozent gestiegen, sagt Zoo-Kuratorin Ulrike Rademacher. Allein im Mai habe die Wilhelma 180.000 Tageskarten verkauft (Mai 2007: 104.000). "Das verdanken wir höchstwahrscheinlich Wilbär." Die Zahl der Jahreskarten sei noch deutlicher gestiegen, nämlich um 27 Prozent.
Das Geburtstagskind wird es wenig interessieren: Der kleine Petz übt derzeit mit viel Ausdauer Tauchen. "Er ist den halben Tag im Wasser und schwimmt wie ein Delfin", sagt Rademacher. Allerdings habe er noch zu viel Auftrieb. Bis vor kurzem habe er Probleme gehabt, den Po unter Wasser zu bekommen. Das klappe inzwischen, aber so tief und ausdauernd tauchen wie seine Mutter könne er noch lange nicht.
Rademacher ist trotzdem sehr angetan von dem Eisbären-Kind: "Es ist faszinierend, wie schnell Eisbären lernen - viel schneller als Braunbären. Sie sind sehr intelligent." Wenn das kleine, weiße Muskelpaket nicht grade Schwimmstunden nimmt, setzt Wilbär viel Energie daran, seine Mutter zum Spielen zu motivieren - und treibe es dabei manchmal ziemlich bunt. Corinna wisse sich aber durchaus zu helfen, betont die Kuratorin: "Neulich hat sie einen blauen Kanister ins Wasser gestoßen. Wilbär ist hinterher, und sie hatte ihre Ruhe."
Der kleine Eisbär sei immer noch die "absolute Show" für sie und ihre Kollegen. Da er das erste Eisbären-Baby des Zoos ist, sei jeder Tag neu für sie. Anfangs seien sie vielleicht sehr vorsichtig gewesen. "Wir würden aber nichts anders machen, wenn wir noch einmal Eisbären-Nachwuchs bekämen. Nur würden wir ruhiger schlafen", sagt sie. Mittlerweile habe sich vieles eingespielt. Auch die Wartezeiten für Besucher seien deutlich geringer worden, seit Wilbär in das größere Gehege umgezogen sei. Weil dieses mehr Platz vor den Fenstern biete, müssten die Zuschauer kaum noch Schlange stehen.
Gut angelaufen ist auch die Vermarktung: Rund zehn Wilbär- Produkte - vom Plüschtier, über Nudeln bis hin zum Daumenkino - sind im Angebot. Wann immer ein Stück verkauft wird, bekommt die Wilhelma eine Lizenzgebühr. "Wie viel das einbringt, wissen wir erst Ende des Jahres", sagte Rademacher.
Die wesentlichen große Entwicklungsschritte hat Wilbär bereits hinter sich gebracht. Mittlerweile frisst er alles, aber er trinkt noch immer bei der Mutter. "Er kann jetzt nur noch wachsen und sich weiter abnabeln", sagt Rademacher. Dass Wilbärs Abschied aus der Wilhelma bereits geplant sei, dementiert die Zoologin. "Da wurde noch gar nicht drüber gesprochen." Normalerweise blieben Eisbären eineinhalb bis zwei Jahre bei ihrer Mutter. Danach komme irgendwann ein Vorschlag vom Europäischen Erhaltungszuchtprogramm (EEP), wo der Jungbär zur Zucht gebraucht werden könne. Dann darf Wilbärs Papa Anton auch bald wieder zu seiner Corinna. Solange Wilbär da ist, geht es nicht. "Anton könnte ihm gefährlich werden, und wir haben nicht die Nerven, das auszuprobieren."