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Dacia Sandero

Erste Hand zum Zweite-Hand-Preis

Der Dacia Sandero macht von außen betrachtet einen ordentlichen Eindruck
Foto: Dacia

Die Preiswertmarke Dacia punktet vor allem bei vormaligen Gebrauchtwagenkäufern
 

Stuttgart - Für 7500 Euro bekommt man einen gebrauchten VW Golf, Baujahr 2004, mit etwa 70.000 Kilometern auf dem Zähler. Oder einen Opel Astra, Baujahr '05, mit 50.000 Kilometern. Oder einen entsprechenden Ford Focus. Für 7500 Euro gibt es aber auch einen Dacia Sandero - fabrikneu, null Kilometer, drei Jahre Garantie. Immer mehr Kunden entscheiden sich für die Neuware zum Aldi-Preis: Dacia hat 2007 den Verkauf seines bisher einzigen Modells Logan in Deutschland um 175 Prozent gesteigert - für den Kombi gab es sogar Lieferfristen.

Dacia bedient viele Kunden, die sich zuvor nur ein gebrauchtes Auto leisteten. Mit dem Sandero präsentiert die Renault-Zweitmarke nun ihr zweites Modell: Es ist kompakt, ansehnlich, geräumig, sehr preiswert - in Technik, Fahreigenschaften und vor allem Sicherheit aber wie schon der Dacia Logan nicht auf der Höhe der Zeit. Der Schrägheck-Sandero wirkt viel attraktiver als die kantige Logan-Limousine, unter dem Blech steckt aber dieselbe Technik. Die 4,02 Meter Länge entsprechen aktuellen Modellen wie Fiat Grande Punto oder Re-nault Clio. Weil der Dacia etwas höher ist (1,53 Meter), ist er sogar etwas geräumiger. Serienmäßig hat der Sandero fünf Türen, und in der zweiten Reihe kommen drei Erwachsene passabel unter. Der Kofferraum fasst 320 Liter, bei nach vorne gelegter Rücksitzlehne 1200 Liter - respektabel.

Einfachste Kost im Basismodell für 7500 Euro

Das Armaturenbrett sieht aus, als bestehe es aus Hartplastik - und so ist es auch; immerhin lassen sich die Instrumente gut ablesen. Die Sitze sind weich gepolstert, die Sitzflächen kurz bemessen, mit schweißtreibenden Kunstfasern bezogen und ohne jeden Seitenhalt. Im Vergleich dazu richten Opel und Suzuki ihre in Ungarn hergestellten preiswerten Modelle Agila und Splash deutlich besser ein. Das Basismodell für 7500 Euro serviert wirklich nur einfachste Kost: keine elektrischen Fensterheber, keine Zentralverriegelung, manuell verstellbare Außenspiegel - noch nicht einmal ein Licht im Innen- oder im Kofferraum gibt es. Die Lenkung ohne Servounterstützung nervt beim Rangieren. Einfachst ist auch die Sicherheitsausstattung mit zwei Frontairbags und Sicherheitsgurten ohne Höhenverstellbarkeit.

Dass Dacia/Renault nur drei Sterne im Euro-NCAP-Aufpralltest erwartet, ist einem neuen Modell von 2008 eigentlich nicht angemessen. Standard sind heute jene fünf Sterne, mit denen die Konzernmutter Renault für ihre Modelle wirbt. Den Schleuderschutz ESP, der wohl schon bald zur Pflichtausstattung für Neuwagen in Europa wird, gibt es für den Dacia Sandero überhaupt nicht. Eines muss man allerdings zugestehen: Die Kaufalternative Gebrauchtwagen verfügt in den meisten Fällen ebenfalls nicht über neueste Sicherheitsvorsorgen.

Ordentliche Ausstattung bietet nur das Topmodell

Zeitgemäßer wird der Sandero in Ambiance-Ausstattung mit Servolenkung, Zentralverriegelung und höhenverstellbaren Gurten vorn für 8500 Euro. Ordentlich ausgestattet ist aber erst das Topmodell Lauréate für 9300 Euro - u. a. mit Seitenairbags, Bordrechner und einer asymmetrisch geteilten Rücksitzlehne. Klimaanlage und Radio kosten aber 1250 Euro extra, was einen Endpreis von mehr als 10.000 Euro ergibt. Dann heißt die Alternative vom Gebrauchtwagenmarkt aber schon Golf V von 2006 und ähnliche - mit Radio, meist mit Klima und vor allem mit Fünf-Sterne-Sicherheit.

Auch die angebotenen Motoren machen den Sandero kaum besser als einen Gebrauchten. Es sind betagte Zweiventiler aus den Renault-Regalen. Der 1,4-Liter-Motor leistet 75 PS/55 kW und hat 112 Nm Drehmoment, was für eine Höchstgeschwindigkeit von 161 km/h reicht. Der 1,6-Liter-Motor mit 87 PS/64 kW und 128 Nm ist deutlich lauter, aber kaum munterer. Sparsam sind beide nicht: 7,0 und 7,2 l/100 km (CO2 165 und 170 g/km). Zwei Diesel- und ein sparsamerer Benzinmotor befinden sich in Vorbereitung.

Kombination von Geräumigkeit und Tiefpreis

Zum Mitschwimmen im Verkehr reicht der Sandero allemal: Die Rundumsicht ist gut, die Schaltung leichtgängig, wenngleich etwas schwammig, der Komfort ordentlich, die (Servo-)Lenkung hinreichend präzise. Bei flotterem Tempo erweisen sich die Motoren als zäh und offenbart sich die Untersteuerneigung des Sandero.

Der Markterfolg von Dacia liegt in der bis dato nicht da gewesenen Kombination von Geräumigkeit und Tiefpreis. In Leistung und Fahrverhalten, in Fahrfreude und Sicherheit ist der Abstand zum Klassenstandard allerdings groß, auch zu den teureren Modellen der Muttermarke Renault. Bei Leistung, Fahrverhalten und Fahrfreude mag dieses Kalkül an- und aufgehen, über das Thema Sicherheit sollte Renault nochmals nachdenken.
 

SoAk

30.06.2008 - aktualisiert: 30.06.2008 10:07 Uhr

 



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