Samsung sieht Stuttgarter Entwicklungslabor als Drehscheibe zu Korea
Stuttgart - Wäsche waschen ist eine Wissenschaft für sich. In Deutschland beispielsweise wird selten über 60 Grad gewaschen, in Korea dagegen sind hohe Temperaturen beliebt. Im Stuttgarter Forschungs- und Entwicklungslabor entwickelt der koreanische Samsung-Konzern die Waschmaschinen von morgen und passt sie an europäische Verbraucherwünsche an.
Viele Wohnungen in Korea haben keine Heizung und sind im Winter kalt. Also nehmen Koreaner ihre Laken, stecken sie in die Waschmaschine, um sie aufzuwärmen. Die Samsung-Waschmaschinen haben auf dem dortigen Markt das Zusatzprogramm Air wash - was so viel bedeutet, wie mit warmer Luft zu waschen. Diese Idee haben die Forscher in Stuttgart nun für den europäischen Markt umgemünzt in Air refresh. Die Wäsche wird quasi aufgefrischt, statt Wasser wirbelt warme Luft in der Maschine. Anstatt muffige Pullis, Hosen oder Blusen stundenlang an die frische Luft zu hängen, werden sie 45 Minuten in die Maschine gesteckt, sagt Laborleiter Michael Laue. Eine Zusatzfunktion bei der Waschmaschine, die den Verbraucher rund 50 Euro mehr kostet und 2009 in Deutschland auf den Markt kommen soll.
Ein Beispiel aus dem Forschungslabor in Stuttgart, Samsungs einziges für weiße Ware in Europa und deshalb "Schnittstelle von Europa und Korea", wie es Laue nennt. Seit zweieinhalb Jahren forschen die Koreaner hier, um mit Innovationen Boden am heiß umkämpften Markt gutzumachen.
Das gelingt - allerdings nicht so schnell wie geplant. "Wir mussten zwei Tiefschläge von der Stiftung Warentest einstecken", sagt Laue. Dabei ging es um das vergleichsweise schlechte Abschneiden bei der Zuverlässigkeit der Maschinen. Die Probleme sind behoben, die Garantiezeiten verlängert. Im vergangenen Jahr hat Samsung in Deutschland mit 46000 Waschmaschinen immerhin so viel verkauft wie nie zuvor. 2005 waren es erst 25000 Stück. Das bedeutet ein Anstieg des Marktanteils von 0,3 auf nunmehr 2,3 Prozent in Deutschland. Mittelfristig strebt Samsung fünf Prozent an - im mittleren Preissegment mit Waschmaschinen von 399 bis 699 Euro, was auch Wettbewerber wie beispielsweise Bosch oder Siemens zu spüren bekommen.
Bisher ist Samsung hierzulande vor allem mit Handys und TV-Geräten bekannt, ist mittlerweile aber auch mit Hausgeräten präsent - mit Kühl- und Gefriergeräten, Staubsaugern, Mikrowellengeräten und Herden. Ab 2009 will Samsung auch noch mit Geschirrspülern und Wäschetrocknern auf den deutschen Markt kommen. Noch allerdings macht die weiße Ware weniger als zehn Prozent des Umsatzes in Deutschland von 1,4 Mrd. Euro aus. Um das zu ändern, wird kräftig in Forschung und Entwicklung investiert - allein im letzten Jahr waren das bei Samsung Electronics mehr als 6,3 Mrd. Dollar weltweit - bei einem Konzern, der rund 130000 Mitarbeiter hat und etwa 50 Mrd. Euro Umsatz erzielt .
"Wir wollen uns neue Absatzkanäle erschließen", sagt Laue, "und dafür auch weitere Mitarbeiter einstellen - nicht nur in der Entwicklung in Stuttgart, wo zehn fest angestellte Techniker und Ingenieure arbeiten, sondern auch im Vertrieb." Die deutsche Tochtergesellschaft von Samsung sitzt in Schwalbach/Taunus. Von dort aus steuern 250 Mitarbeiter Vertrieb, Marketing, Service und Verwaltung.