Peter Glaser, 1957 als Bleistift in Graz, Österreich, geboren, wo die hochwertigen Schriftsteller für den Export hergestellt werden. Lebt als Schreibprogramm in Berlin.
Begleitet seit über 20 Jahren als Schriftsteller und Mitglied des Chaos Computer Clubs die Entwicklung der digitalen Welt.
Glasers Netzkolumne - aus der STZ vom 02.07.2008
Es war in einer dunklen Vorzeit, als das Fernsehen spät abends noch sein Programm beendete ("Sendeschluss"), Telefone mit runden Wählscheiben ausgestattet waren, in die man seinen Finger stecken musste, und es noch keine Suchmaschinen gab. Stattdessen gab es Listen von digitalen Trappern, die das unwegsame, frühe Internet durchstreiften und sammelten, was ihnen besonders gefiel. Eine der beliebtesten dieser Listen hieß "Interessante Geräte, die an das Netz angeschlossen sind". Einer der ersten Einträge verwies auf eine Kaffeemaschine in England.
Unter den Getränken nimmt der Kaffee eine besondere Stellung in der Geschichte der Informationstechnik ein. Ein Kriterium für den Genialitätsgrad eines Programmierers ist beispielsweise die Anzahl an Tassen kalt gewordenen Kaffees auf dessen Schreibtisch. Und natürlich spielen auch Kaffeeautomaten eine Rolle als Innovationssymbole.
1991, als das World Wide Web gerade einmal eine Handvoll Computer miteinander verband, gab es im Computerlabor der britischen Universität Cambridge eine Gruppe von Netzwerktechnikern. Die meisten von ihnen arbeiteten im sogenannten Trojan Room im zweiten Stock. Am Gang stand eine Kaffeemaschine von Krups. Einige der Forscher waren in anderen Teilen des Gebäudes untergebracht. Sie mussten etliche Treppen steigen, um an die Kaffeemaschine zu kommen, und wenn dann kein Kaffee mehr in der Kanne war, war das enttäuschend. Also wurde eine technische Lösung entwickelt: XCoffee. Quentin Stafford-Fraser befestigte eine Videokamera an einem Retortenstativ neben der Kaffeemaschine und Paul Jardetzky schrieb ein Programm, das alle 20 Sekunden ein aktuelles Bild der Kaffeekanne auf einen Server holte ("Nur Graustufen, wie der Kaffee"). Nun konnte man bequem von überall den Füllstand der Kaffeekanne checken. Im Sommer 2001 sollte das Computerlabor umziehen und die Coffee Cam nach einem Jahrzehnt treuer Dienste abgeschaltet werden. Gekränkt stellte die Maschine bereits im Frühjahr die Arbeit ein. Bei einer nachfolgenden Auktion ersteigerte die Onlineredaktion des "Spiegel" das Gerät für 10.452,70 Deutsche Mark.
Aber auch heute, wo man sich längst fragt, welcher Winkel der Wirklichkeit noch nicht von einer Webcam ausgeleuchtet ist, wissen Kaffeemaschinen nach wie vor unsere Aufmerksamkeit zu erregen. So hat vor ein paar Tagen der australische Sicherheitsexperte Craig Wright eine Sicherheitslücke im Erweiterungsmodul einer Luxuskaffeemaschine entdeckt. Die Impressa F90 des Schweizer Herstellers Jura kann mit Hilfe eines sogenannten Internet Coffee System (ICS) ans Internet angeschlossen werden. Gedacht ist das Gerät für Großkunden wie Tankstellenketten, die Kaffeemaschinen an verschiedenen Standorten betreiben und aus der Ferne Status, Verbrauch und Umsatz der Maschinen abfragen möchten.
Hacker können sich durch die Schwachstelle online Zugang zu der Maschine verschaffen - und auch zu dem mit ihr verbundenen Server. Dort lassen sich die Einstellungen, wie man seinen Kaffee gebrüht haben möchte, manipulieren. "Ein harmloser Nachmittagskaffee", gruselt sich ein Sicherheitsfachmann in dem Expertenforum BugTraq, "kann sich so in einen nervenzerfetzenden Angriff auf den Kreislauf verwandeln."