Die Absicht der Landesbauverwaltung, die Lusthaus-Ruine im Mittleren Schlossgarten verfallen zu lassen, stößt bei Bauexperten und Kulturschaffenden auf scharfe Kritik. Zur Rettung der Ruine wollen sie noch im Juli einen Förderverein gründen.
Mit der Treppe sind laut Stuttgarter Amt für Vermögen und Bau Baden-Württemberg nur noch etwa fünf Prozent des so genannten Neuen Lusthauses erhalten. Weil sich selbst die Landesdenkmalpflege gegen die Erhaltung ausgesprochen hat, fiel die Entscheidung gegen die Restaurierung. Die Stellungnahme der Denkmalschützer soll in Kürze veröffentlicht werden.
Nachdem unsere Zeitung darüber berichtet hatte, reagierten Stuttgarter Kulturschaffende und Architekten empört und schlossen sich spontan zu einer Initiative für die Erhaltung der Ruine zusammen. Diese ist mehr als 400 Jahre alt und einziges Überbleibsel eines Prachtbaus, den Herzog Ludwig von Württemberg Ende des 16. Jahrhunderts von Baumeister Georg Behr am Schlossplatz errichten ließ. Später wurde das Lusthaus zur Oper, dann zum Hoftheater umgebaut. Im 19. Jahrhundert brannte es ab, erhalten blieb die Treppe. Sie wurde im Schlossgarten wieder aufgebaut.
Es ist ein illustrer Kreis, der diese Überreste retten will: Bauingenieur Jörg Schlaich, die Architekten Max Bächer, Günter Behnisch, Carlo Weber und Fritz Auer, Opernintendant Albrecht Puhlmann, Theaterhauschef Werner Schretzmeier, der Kabarettist Peter Grohmann und der Historiker Harald Schukraft. "Die Liste wird täglich länger. Auch Stuttgarter Verleger, bildende Künstler und Denkmalschützer sind dabei", sagt Roland Ostertag, Architekt und Initiator der Initiative. Binnen einer Woche hat er mehr als 30 Mitstreiter gewonnen. Bis Ende Juli wollen sie einen Förderverein zum Erhalt der Lusthausruine gründen.
Den zuständigen Behörden wirft die Initiative vor, jahrzehntelang nichts unternommen zu haben, trotz einiger Gutachten, die eine Rettung nicht ausschließen. "Vor 30 Jahren hieß es, die Ruine werde restauriert, sobald das Geld da ist. Zehn Jahre später wurde versichert, die Vorbereitungen seien getroffen. Nun sagen die gleichen Behörden, für eine Rettung sei es zu spät", stellt Ostertag fest und spricht von einem "Verstoß gegen die Gesetze der Denkmalpflege".
Ihm liegen zwei neuere Gutachten vor, nach denen die maroden Mauern konserviert werden können. Eines hat das Karlsruher Büro für Baukonstruktionen unter Federführung von Fritz Wenzel 2004 erstellt. Ein jüngeres stammt von Berthold Burkhardt von der Fakultät für Architektur, Bauingenieurwesen und Umweltwissenschaft der Technischen Universität Braunschweig. "Durch Oberflächenversiegelung des Sandsteins, Impfung der Hohlräume im Stein mit feuchtigkeitsabweisenden Präparaten und Stabilisierung der Steine durch reingebohrte Stahlstifte lässt sich was machen", sagt Ostertag.
Die Kosten liegen laut Gutachten bei 1,3 Millionen Euro. Vor 30 Jahren war von einer Million die Rede - in D-Mark. Täglich werde der Erhalt teurer. Werde nicht gehandelt, sei Mitte des Jahrhunderts nur noch Sand übrig, sagt Ostertag. Er sei davon überzeugt, mit Hilfe der Bevölkerung das Geld für die Rettung der Lusthaus-Ruine auftreiben zu können. Nach Vereinsgründung soll ein Spendenkonto eingerichtet werden.