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Klage gegen ICE-Trasse

Denkendorf fürchtet um sein Trinkwasser

Die bisherige ICE-Strecke nach Ulm führt durchs Neckartal und dort auch am Esslinger Stadtteil Mettingen vorbei
Foto: Kern

Gemeinde klagt gegen die geplante ICE-Trasse - Zu wenig Lärmschutz
 

Denkendorf - Mit einer Klage gegen die neue ICE-Trasse von Stuttgart nach Ulm versucht die Gemeinde Denkendorf zu verhindern, dass beim Bau der Strecke ihre Trinkwasserquellen beschädigt werden. Die von der Bahn vorgesehenen Regelungen hält die Kommune für unzureichend.

Genau in dem Gebiet, in dem die ICE-Neubaustrecke in einem Tunnel verschwindet, um unter der Tank- und Rastanlage Denkendorf und der Autobahn auf die andere Seite der sechsspurigen Straße zu wechseln, befinden sich auch die Quellen und deren Einzugsgebiete aus denen die 10500 Einwohner zählende Kommune noch immer 30 Prozent ihres Trinkwassers gewinnt.

Bereits in der Erörterungsphase für die ICE-Neubaustrecke von Stuttgart nach Wendlingen hat der Denkendorfer Bürgermeister Peter Jahn immer wieder darauf hingewiesen, dass die Bahn AG bei der Planung der Strecke zu wenig unternimmt, um die Quellen zu schützen. Zu unverbindlich fielen für Jahn auch die Zusagen der Trassenbauer bezüglich eines Schadensersatzes aus, wenn die Quellen auf Grund der Bauarbeiten versiegen oder weniger Wasser liefern sollten.

Jahn räumt ein, dass die Eigenwasserversorgung in Denkendorf nicht unumstritten ist. Immer wieder gebe es Forderungen aus dem Ort, auf das härtere, eigene Wasser zu verzichten und dafür die gesamte Gemeinde mit dem weicheren Bodenseewasser zu versorgen. Bisher wehrten der Bürgermeister und der Gemeinderat solche Wünsche mit dem Hinweis auf die Kosten für neue Leitungen und aus ökologischen Überlegungen ab. "Es macht doch keinen Sinn, sich am leerpumpen des Bodensees zu beteiligen, wenn eigene Resourcen zur Verfügung stehen", meint Jahn.

Die Klage gegen den Planfeststellungsbeschluss für die ICE-Trasse hat die Gemeinde bereits beim Verwaltungsgerichtshof eingereicht und durch zahlreiche Gutachten untermauern lassen. Der Denkendorfer Bürgermeister sieht sich dabei auf einem guten Weg, denn schon einmal, beim geplanten Ausbau der Landesstraße, hat Denkendorf erfolgreich gegen die Gefährdung der Eigenwasserversorgung geklagt. Gleichzeitig mit der Klageschrift geht an die Bahn AG allerdings auch das Angebot für eine außergerichtliche Einigung, denn man wolle eine zukunftsweisende und umweltfreundliche Verkehrsentwicklung nicht blockieren.

Liebend gerne hätten die Denkendorfer auch gegen den ihrer Meinung nach unzureichenden Lärmschutz entlang der ICE-Trasse geklagt. "Die Gesetzeslage lässt keine aussichtsreiche Klage zu", hat Bürgermeister Jahn zähneknirschend eingesehen. Weil die Lärmquellen ICE, Autobahn und Flugverkehr getrennt betrachtet werden, reichen die vorhandenen Einrichtungen nach Ansicht der Planer aus. "Es wird aber endlich Zeit, dass die Sonderbelastung der Filderregion akzeptiert wird", mahnt Jahn. "Ohne konkrete Maßnahmen bleibt der Lärmminderungsplan ein Papiertiger."
 

Gerhard Schertler, StN

17.07.2008 - aktualisiert: 17.07.2008 19:48 Uhr

 



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