
Die Entführung der drei deutschen Bergsteiger durch die PKK ist einigermaßen glimpflich ausgegangen. Aus Erleichterung darüber sollte man jedoch nicht über zwei unangenehme Tatsachen hinwegsehen. Zum einen: Im Osten der Türkei herrschen noch immer bürgerkriegsähnliche Zustände. Und weil die Türkei ein wirtschaftlich, strategisch und politisch extrem wichtiger Partner ist, kümmert sich auch die deutsche Regierung zu wenig um die Ursachen des Konfliktes, der dahinter steht.
Von Markus Grabitz, Berliner Redaktion
Zum Zweiten erinnert der Entführungsfall die Deutschen daran, wie schnell der schwelende Kurdenkonflikt auch hierzulande wieder auflodern kann. Allzu bereitwillig hatte die Öffentlichkeit die hässlichen Bilder vergessen wollen, als hierzulande kurdische Aktivisten Schaufenster türkischer Banken und Geschäfte einschlugen.
Deutschland muss jetzt sehr sensibel sein: Auch bei uns gibt es ein besorgniserregendes Potenzial für offene Feindseligkeiten zwischen Kurden und Türken. Der Kurdenkonflikt ist nicht auf die Landesgrenzen der Türkei beschränkt. Weil in Deutschland die größten Exilkommunen sowohl der Türken wie auch der Kurden leben, ist eine Eskalation nicht gänzlich unwahrscheinlich. Vielen Deutschen fallen die Gräben zwischen deutschen Türken und deutschen Kurden zwar nicht auf. Das Problem ist aber existent.