Stuttgart - In zwei Punkten sind sich die Stuttgarter Stadträte einig: Die Insolvenz des Kommunalen Kinos e. V. (KoKi) hat sie überrascht, und sie wollen die Einrichtung erhalten. Verbindlichkeiten von bis zu 140.000 Euro bis Ende 2008 stehen im Raum.
Der Vereinsvorstand fühlt sich von Kulturbürgermeisterin Susanne Eisenmann im Stich gelassen; diese sagt, der Verein habe es versäumt, ein Konzept vorzulegen.
Bis Ende 2007 hat das KoKi 70.000 Euro zusätzlich erhalten, um ein Darlehen für Baumaßnahmen im Filmhaus zu tilgen. "Der Gemeinderat hat im Herbst beschlossen, das Geld weiter auszuzahlen, wenn bis Frühjahr 2008 ein Konzept zur Weiterentwicklung vorliegt. Das war ein großer Vertrauensvorschuss", sagt CDU-Stadtrat Jürgen Sauer. Vom KoKi sei aber nichts gekommen. Er verweist auf die Freie Kunstschule Cannstatt, die in einer ähnlichen Situation ein tragfähiges Konzept erarbeitete.
"Alle haben gewusst, wie klamm das Kino war", sagt SPD-Stadträtin Monika Wüst. "Deshalb haben wir im Herbst 2007 beantragt, die finanzielle Situation zu klären. Die Verwaltung hat dargelegt, dass die Situation schwierig sei - danach ist nichts passiert." Sie möchte nun klären lassen, "welche Struktur das KoKi in Zukunft haben soll, wer die Federführung hat und wo die Kulturbürgermeisterin hinmöchte".
Sauer fordert, "rasch aufzuarbeiten, wie es so weit kommen konnte und wer die Verantwortung dafür trägt. Außerdem brauchen wir schnell ein Konzept, welche Aufgaben das KoKi hat, wo es mit anderen kooperieren kann und wie es zu höheren Einnahmen kommt." Ein solches Konzept könne auch der bisherige Trägerverein vorlegen.
"Der Vorgang ist eine Bedrohung fürs Ehrenamt", glaubt dagegen Grünen-Stadtrat Michael Kienzle. "Wenn man einen Verein so ins Risiko laufen lässt, kann das abschreckend wirken." Sein Vorschlag für einen Neubeginn: "Das Kommunale Kino ist aus der Volkshochschule hervorgegangen, vielleicht lässt sich dort wieder eine Anknüpfung finden. Die VHS richtet sich an viele Zielgruppen von Kindern bis zu Senioren, die auch das KoKi bedienen kann." Er bedauert, dass der Verein nicht früher Alarm geschlagen hat. "Das Kino ist unverzichtbar. Es macht ein wertvolles Alternativangebot zu dem visuellen Schrott, der auf vielen Kanälen läuft."
Alle wollen ein neues KoKi, auch die Kulturbürgermeisterin, die sagt, sie habe das Ausmaß der Misere nicht gekannt. Sie ist nun ebenso gefordert wie das in Sachen Film traditionell eher behäbige Kulturamt, das wieder fürs KoKi zuständig ist, seit das glücklose Medienteam Ende 2007 aufgelöst wurde.