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Kommentar

Wieder da

So, so. Günther Oettinger traut sich also eine Menge zu, auch in Berlin. Hat er dem "Spiegel" gesagt. Interessanterweise ließ der baden-württembergische Ministerpräsident seinen Hauptstadtversuchsballon steigen, kurz nachdem sein niedersächsischer Kollege Christian Wulff öffentlich Heimatverbundenheit erklärt und einen Wechsel nach Berlin ausgeschlossen hat. Nicht minder spannend ist die Tatsache, dass Oettinger die Wirtschafts- und Finanzpolitik als sein Spezialgebiet nennt. Exakt jenen Bereich, in dem auch Wulff bundespolitisch zu glänzen ankündigte, als er sich vor einigen Monaten mit dem Rücktritt als Landes-CDU-Chef ein wenig Luft im Terminkalender verschaffte.


  Von Christoph Grote

 
Es wirkt fast so, als rufe da jemand: "Hallo, ich bin auch noch da!" Oder als wolle Oettinger den häufig als Revoluzzer-Bündnis geltenden Andenpakt aufkündigen, dem neben ihm und Wulff auch der durchs Hessenwahldesaster geschwächte Roland Koch angehört, und sagen: "Hallo, Frau Merkel, ich bin der Gute!" Das könnte sogar stimmen.

Trotzdem darf man fragen, ob Günther Oettinger den Zeitpunkt für all dies klug gewählt hat. Der Mann ist lange genug im politischen Geschäft, er sollte wissen, dass Äußerungen wie seine in der meist nachrichtenarmen Sommerpause besonders laut widerhallen. Und ihm muss ebenfalls klar sein, dass er kaum kontrollierbare Spekulationen um seine künftige Rolle in Baden-Württemberg auslöst: Drängt es ihn nach Berlin, wo sie, wie er wie zur Bekräftigung noch spöttelt, ja "auch nur mit Wasser kochen"?

All dies dürfte Oettinger einkalkuliert und sein Interview entsprechend klug platziert haben. Er nutzt die Schwäche der beiden Kronprinzenkonkurrenten. Er manifestiert seinen zwar nicht aktuellen, aber grundsätzlichen Anspruch, mehr zu können als nur Baden-Württemberg. Und er sagt nach seinem persönlichen Seuchenjahr mit Filbinger-Rede und privater Trennung: "Hey, ich bin wieder da!"

Spannend ist nun, ob und wie Oettingers Offerte in der Bundeshauptstadt ankommt. Wie wohlgelitten der Schwabe bei der Kanzlerin ist, wird sich schnell daran messen lassen, wen die CDU künftig zum Thema Wirtschaft und Finanzen öffentlich in die Bütt schickt.

Soll Oettinger ein Amt in Berlin anstreben?
 
 

 

27.07.2008 - aktualisiert: 27.07.2008 20:07 Uhr

 


Lesermeinungen
07.09.2008 17:37
Autor: Anton Fritsch

Oettinger ist nichtmehr wählbar, er hat schon so viel "Sch..." gesagt. Er sollte zu Hause bleiben. Ich kann nur hoffen, daß dies viele genau so sehen.

 

29.07.2008 12:35
Autor: Karmann

Das wäre das beste, was Baden-Württemberg passieren könnte!

Schon der Weggang von Schavan nach Berlin hat dem Ländle gutgetan. Wenn jetzt auch noch Öttinger geht, besteht die (ganz kleine) Chance, daß etrwas vernünftigere Politik gemacht wird. In Berlin kann er ja keinen so großen Schaden anrichten.

Leicht wird er es in Berlin nicht haben, das soll er auch nihct. Wenn Oettinger den Mund aufmacht, drehts einem ja als Schwabe schon den Magen um...




 

29.07.2008 09:41
Autor: Zentmaier, Volker

Trotz allem Respekt gegenüber unserem Ministerpräsidenten, aber ein Alphatier ist er beim besten Willen nicht. Ein Alpharüde gibt nämlich uneingeschränkt die "Marschrichtung" vor! Und in Berlin, da wuselt es ja, vor lauter "Alphatieren"? Hier könnte er nämlich schnell zum Omega Tier werden!

 

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