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Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten vom 31.07.2008

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Ein Film wie der Gelbe Sack

Was kann dabei rauskommen, wenn der Werbefilmer Jan Kounen den Roman des Werbetexters Frederic Beigbeder über die Werbebranche verfilmt? Richtig: Werbung. Genauer: eine hippelige Reihung von Werbespot-Situationen und Slogan-ähnlichen Dialogen mit Figuren, die so eindimensional sind wie Lebkuchen-Weihnachtsmänner. Obacht: Das Wort Slogan ist total out - erfolgreiche Werber sagen heute "Claim".

Der uncoole Hauptdarsteller Jean Dujardin (sic!) ist so attraktiv wie ein abgelagertes Baguette und agiert wie die weiße Ratte, die er sich im Büro als Schoßtier hält und die sich (Achtung: Holzhammer-Symbolik!) in einem Hamsterrad den Wolf läuft. Erst als ihm ein Gspusi den Schwangerschaftstest unter die Nase hält, entdeckt er die wahre Liebe und will der Branche nun mit deren eigenen Mitteln eins auswischen.

Zugegeben: Die in jeder Hinsicht dünne, von Literaturkritikern als "grell, geil, geschmacklos" eingestufte Romanvorlage hat Kounen adäquat umgesetzt. Nur stellt sich die Frage, ob, sagen wir, ein Film über die Langeweile langweilig sein muss? Antwort: Wenn er nicht gerade von Antonioni ist - nein. Wenn also die angebliche Kritik an der Werbebranche hier exakt so aussieht wie die Spots dieser Schaumschläger-Industrie - laut, hohl, hip und bunt -, dann ist sie halt bloß Popcorn für die Augen. Was da in gefühlter Endlosschleife rumwuselt, perlt an der Netzhaut ab wie Regen an einer Pelerine und ist so oberflächlich, absolut nichtssagend und gequält lustig wie - tja, wie schlechte Werbung eben.

Zielgruppe sind offenbar Leute mit gewissen Aufmerksamkeitsdefiziten - da muss man sich nicht auf einen Erzählstrang konzentrieren oder auf Charaktere einlassen, alles ist vorgestanzt, alles wird ironisch verwurstet. Verweise auf Filme wie "Fight Club" und Kubricks "2001", Zeichentrick-Brutalo-Sequenzen und Alternativ-Schluss - ein Film wie der Gelbe Sack: drin sind lauter leere Verpackungen. Dass seine triftigste Aussage - der Welthunger könne eingedämmt werden mit zehn Prozent des Finanzvolumens, das weltweit für Werbung verpulvert wird - erst zum Abspann erscheint, ist der Tiefpunkt dieser Peinlichkeiten-Revue.
 

Peter Kreglinger

31.07.2008 - aktualisiert: 31.07.2008 10:47 Uhr

 


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