Das Kommunale Kino unterd em Dach der VHS Foto: Piechowski
Stuttgart - Kaum hatte das Kommunale Kino Stuttgart (KoKi) überraschend Insolvenz angemeldet, da lancierte die Grünen-Fraktion im Stuttgarter Gemeinderat schon die Idee für einen Neubeginn: Das Kino sei aus der Volkshochschule (VHS) hervorgegangen, nun könne es vielleicht dorthin zurückkehren.
Die Angesprochene wirft nun als erste ihren Hut in den Ring: "In vielen Städten sind Volkshochschulen Träger von Kommunalen Kinos", sagt VHS-Leiterin Dagmar Mikasch-Köthner. "Wir haben einen medienpädagogischen Schwerpunkt, der sich mit der Filmkultur zusammenbringen lässt, und sind bereits jetzt in der Filmszene gut vernetzt. Wir können im Haus Synergien nutzen und Film- und Bildungsprogramme verknüpfen. Wir sind ja nicht nur ein Haus der Bildung, sondern auch ein Haus der Kultur und etablieren momentan das Rotebühl-Theater als Marke. Film wäre da als neues Segment sehr gut denkbar." Bereits jetzt richtet die VHS die Stuttgarter Kinderfilmtage aus - oder auch die interkulturelle Filmreihe "Mit den Augen der anderen".
Mikasch-Köthner kann sich ein KoKi unter VHS-Dach vorstellen - am liebsten im Rotebühltreff. "Die räumliche Nähe macht es leichter, die inhaltliche Nähe nutzbar zu machen. Wir haben im Schnitt 3000 Nutzer pro Tag, das sind alles potenzielle Besucher des KoKis", sagt sie. Das Filmhaus dagegen sieht sie skeptisch: "Es scheint Teil des Problems zu sein. Es ist in seinem jetzigen Zustand nicht sehr attraktiv. Das Management des Filmhauses kann man nicht dem KoKi aufbürden, das führt zu weit weg von seiner eigentlichen Aufgabe. Wenn die Stadt das Filmhaus indes so ausstattet, dass es seinem Namen gerecht wird, könnten wir uns auch vorstellen, dass wir dort ein funktionierendes KoKi machen könnten."
Im Rotebühltreff stünde für eine Dauernutzung durch das Kino der Theodor-Bäuerle-Saal mit rund 90 Plätzen zur Verfügung, der einen Projektionsraum hat, aber noch keine Technik. Der größere Robert-Bosch-Saal dagegen ist oft anderweitig belegt - würde für Premieren, Filmstarts oder Festivals aber gebraucht. "Wir prüfen derzeit, wie der Betrieb räumlich machbar wäre. Das Haus ist ja voll ausgelastet", sagt Mikasch-Köthner. "Wenn das KoKi dort eine neue Heimat finden sollte, bräuchten wir ein Ausweichquartier für VHS-Veranstaltungen. Das betrifft auch Seminarräume, wenn wir das medienpädagogische Angebot ausbauen wollen."
Jetzt hat die Volkshochschule Sommerferien. Ende August möchte sie ein Konzept präsentieren. Der Gemeinderat entscheidet dann nicht nur über die neue Trägerschaft fürs KoKi, sondern auch über die Zukunft des ganzen Filmhauses - und das dürfte ohne das Kino kaum lebensfähig sein.