Die Manta-Verschwörer Johannes Kümmel und Max Penk Foto: Kraufmann
Ludgwigsburg - Der Zuschauer sieht nur die Silhouette von Herbert R. Seine Stimme ist elektronisch verändert. Wer sich so filmen lässt, will nicht erkannt werden. Verständlich, Herbert R. hat Explosives zu verkünden. Er deckt vor laufender Kamera eine Verschwörung auf. Die Manta-Verschwörung.
Die Bekenntnisse des Herbert R. sind seit vergangener Woche auf dem Internetportal Youtube abrufbar. In dem fünfminütigen Videoclip erzählt er seine unglaubliche Geschichte. Als R. in den 80er Jahren im Vertrieb von Porsche arbeitete, wurde er angewiesen den Opel-Manta mit allen Mitteln zu bekämpfen. "Sie haben alles zu unternehmen, dass dieses Fahrzeug nicht als Konkurrenz in unsere Produktlinie hinein pfuscht", beschreibt Herbert R. die Anweisung der Konzern-Oberen. Porsche ging es schlecht. Die Absatzzahlen sanken, während die des Mantas immer weiter anstiegen. Also entwickelte R. eine geradezu perfide Kampagne. Die Manta-Witze.
Dafür holte er sich Karl Dall ins Boot. Im Videoclip gesteht der Komiker reumütig, dass die ersten 100 Manta-Scherze auf sein Witz-Konto gehen. Er habe damals in finanziellen Schwierigkeiten gesteckt. "Da hätte jeder gesagt, okay, dafür mach ich's." Doch er habe nicht geahnt, dass die Konkurrenz aus Zuffenhausen hinter diesem Auftrag steckt. Im Nachhinein tue ihm alles sehr leid. Am Ende des Spotts, den Tränen nahe, bittet Karl Dall um Vergebung.
Szenenwechsel. Es ist der 18. Januar 2007. Die Filmstudenten Johannes Kümmel und Max Penk sind auf dem Weg zu Dreharbeiten von Ludwigsburg nach Sylt. Während sie im Auto sitzen, treibt Orkan Kyrill sein Unwesen. Doch im geliehenen Opel - nicht Manta, sondern Omega - fühlen sich die beiden sicher. Da hätten sie sich gefragt, erzählt Johannes Kümmel, warum Opel eigentlich solch ein schlechtes Image hat? Die Antwort lag nahe: "Die Manta-Witze waren das Opel-Vietnam." Ihr neues Projekt sollte hier ansetzten. Die Idee der Manta-Verschwörung war geboren.
Herbert R.s Bekenntnisse haben also nichts mit der Realität zu tun. Weder Porsche noch Karl Dall sind für die rufschädigenden Manta-Witzen verantwortlich. Herbert R. heißt eigentlich Hans Radke und ist Schauspieler. Und Karl Dall? Das war der Echte. Der Komiker war von der Idee angetan und lud die beiden Studenten in sein Haus nach Hamburg ein. "Wir haben oft abgebrochen, weil das Team lachen musste", erzählt Max Penk.
Der fertiggestellte Clip wurde ein Teil von Johannes Kümmels Diplomarbeit an der Ludwigsburger Filmakademie. Er versteht den Spott als Parodie auf die Glaubwürdigkeit von Internet-Beiträgen. "Viele Leute hinterfragen nicht, was sie dort sehen." Als die Studenten den Clip ins Netz gestellt haben, versäumten sie aber, ihre Spuren zu verwischen. Zwar hatten sie die Webseite, auf der die Manta-Verschwörung als Diplomfilmprogramm aufgeführt wird, rechtzeitig gelöscht. Doch Google zeigte diesen Link auch noch nach der Veröffentlichung an. Interessierte fanden schnell heraus, dass es sich dabei also nur um eine Erfindung von Filmstudenten handelte. So wurde die beabsichtigte Diskussion über den Wahrheitsgehalt des Clips auf Youtube relativ früh erstickt.
Ihr eigentliches Anliegen haben Johannes Kümmel und Max Penk dennoch erreicht. "Wir wollten, dass wieder mehr Leute über den Kultwagen Manta sprechen", sagt Max Penk. Mit Suchmaschinen lässt sich statistisch nachweisen, dass der Begriff Manta seit der Veröffentlichung ihres Clips deutlich häufiger in Internetforen verwendet wurde. Aber damit geben sich die beiden Filmemacher nicht zufrieden. Sie wollen mehr. Sie wollen den Manta C, also eine Neuauflage der Sportwagenserie. "Wir würden ihn kaufen", versichert Max Penk und wirkt dabei sehr glaubhaft.