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Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten vom 14.08.2008

Star Wars - The Clone Wars

Ein Mann demontiert seinen Mythos

Unerschöpflich ist die Fantasiewelt der Jedi-Ritter, und die sechs Kino-Episoden von "Star Wars" lassen viel Raum für Ergänzungen. Genndy Tartakovsky hat in den 25 Teilen seiner trashigen Action-2-D-Trickserie "Star Wars - Clone Wars" (2003 bis 2005) die Lücke zwischen den Episoden II und III gefüllt, in der die Jedi die Republik gegen Separatisten und Sith verteidigen.

Diese Phase hat nun "Star Wars"-Schöpfer George Lucas selbst als Produzent und Autor bearbeitet, in 3-D-Animation fürs Fernsehen und mit einem Pilotfilm fürs Kino. Die Jedi und die dunkle Seite der Macht buhlen um die Gunst des Gangster-Wurms Jabba the Hutt, der kriegswichtige Hyperraumrouten kontrolliert. Der böse Count Dooku und seine Schülerin Asajj Ventress entführen Jabbas Sohn und schieben es den Jedi in die Schuhe, Anakin Skywalker und seine Schülerin Ahsoka Tano versuchen, das Baby zu retten. Wer bis hierhin nichts verstanden hat, sieht schon das erste Problem: Wie in den Episoden I bis III sind Handlung und Personaltableau unübersichtlich. Vielleicht schrieb Lucas deshalb Dialoge unter der messbaren IQ-Schwelle, in denen haarklein erklärt wird, was sich über die Bilder erschließen sollte.

Ein Pilotfilm fürs Fernsehen hat im Kino nichts zu suchen

Diese aber sind das zweite, weitaus schwerwiegendere Problem. Anders als Tartakovsky, dem sein billiger TV-Look eine gewisse Narrenfreiheit gab, muss sich ein 3-D-Kinofilm an den visuellen und dramaturgischen Standards messen lassen, die Pixar ("Ratatouille") und Dreamworks ("Shrek") setzen - und da fällt der Special-Effects-Pionier Lucas glatt durch. Die menschlichen Figuren sehen aus wie frühe Entwürfe und bewegen sich so ungelenk wie unnatürlich. Auf eine individuelle Animation für einzelne Charaktere hat man ebenso verzichtet wie auf Mimik. Oft fehlt den Figuren jede Bindung, wenn etwa der Roboter R2-D2 über einen Reliefboden fährt, ist nicht das kleinste Rattern zu hören. Anakin und Padme schließlich, die Liebenden vom Comer See aus "Episode II", begegnen einander, als wären sie Fremde, ohne jedes heimliche Zeichen.

Nichts stimmt - und das ist schade für die aufmüpfige Ahsoka, eine Figur mit Herz, und für Fantasie-Charaktere wie Jabba, die sich als Trickfiguren erst richtig entfalten könnten, aber ebenfalls lieblos animiert sind.

Erwachsene werden den Film albern finden, Kindern ist weder das Kriegsgemetzel zu empfehlen noch die martialische Lyrik von Gehorsam und Aufopferung, die das Pentagon in Auftrag gegeben haben könnte für die demoralisierten US-Truppen im Irak.

Das für TV-Sender essenzielle Zielgruppenproblem dürfte Lucas wohl dazu gebracht haben, es über den Marketing-Umweg Kino mit einem Pilotfilm zu versuchen, der dort nichts zu suchen hat. Er nähert sich damit dem künstlerischen Suizid und demontiert seinen Mythos.
 

Bernd Haasis

14.08.2008 - aktualisiert: 14.08.2008 12:54 Uhr

 


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