Drucken Versenden

Firma im Fokus

Kein Mucks vom PC

Foto: Kraufmann

MR Computertechnik in Waldenbuch macht Rechner leise
 

Waldenbuch - "Ich bin leise" prangt groß an der Firmenzentrale. Der Name ist Programm, denn die MR Computertechnik GmbH & Co. KG in Waldenbuch sorgt dafür, dass Computer zu Flüsterrechnern werden, die keinen Mucks von sich geben.

Wie alles begonnen hat? "Mein lauter PC hat mich genervt", erzählt Michael Ruoff, Gründer und Chef des Unternehmens. Also hat er versucht, den leiser zu machen, indem er Dämmmatten eingebaut hat. Das funktionierte. Wenig später - das war im Jahr 2001 - startete er einen Versandhandel mit zugeschnittenen Dämmmatten. Weitere Produkte kamen dazu - beispielsweise von Netzteilen bis zu schwingend gelagerten Lüftern.

Anfangs arbeitete der Elektromeister noch halb im Unternehmen seines Vaters mit. Doch die Zeiten sind längst vorbei. Mittlerweile läuft es so gut, dass Ruoff sogar zehn Mitarbeiter beschäftigt und Lehrlinge zum IT-Systemkaufmann ausbildet.

Der 35-Jährige ist kein Computerfreak, der die Kisten technisch bis ins Detail aufmotzt. "Denn Rechnerleistung allein ist nicht das, was die Kunden wollen", sagt Ru-off. Leise beziehungsweise geräuschlose Computer sind für seine Kunden wichtig, und die lassen sich das was kosten - zwischen 1000 und 5000 Euro je nach Gerät und Zusatz. Auch Energiesparen ist ein wichtiges Thema. PCs vom Discounter redet Ruoff nicht schlecht. Er hält sie aber nur für vermeintlich stark. "Das ist, als ob man einen Porschemotor in eine Ente einbaut", sagt er.

Das Unternehmen, das vor zwei Jahren einen Neubau bezogen hat, wo nicht nur etliche Komponenten für PC lagern, sondern auch gefertigt wird, bietet Komplettpakete und rüstet auch PCs um. In Handarbeit. "Jedes Gerät ist ein Einzelstück und keine Serienproduktion", sagt Ruoff.

Mit seinem sogenannten Silent PC ran-giert das Waldenbucher Unternehmen bei Testern immer auf den Spitzenplätzen. Mit dem Computermagazin "Chip" hat MR Computertechnik nach eigenen Angaben den wahrscheinlich leisesten PC der Welt gebaut. Das Ich-bin-leise-Konzept gibt es mittlerweile auch als Franchise-Produkt - bei Händlern in den Niederlanden und in der Schweiz, die die Internetadresse der Waldenbucher ichbinleise.de nutzen und dort auch ihre Komponenten bestellen.

Wenn es um Geräusche geht, kann dem Fachmann keiner so schnell was vormachen. Von Angaben wie Dezibel oder Sone hält Ruoff nicht allzu viel, weil die meisten Hersteller eh keine präzisen Angaben über den Lärmpegel eines Geräts machen. Geht man von der gewohnten Lärmdefinition aus, erreicht ein aktueller Rechner einen Schalldruckpegel um die 35 Dezibel im Ruhezustand, bis zu 50 Dezibel unter Volllast, also etwa beim Abspielen einer Video-DVD. Von etwa 40 Dezibel an wird die Konzentration deutlich beeinträchtigt. Ein lautes Gespräch erreicht 60 bis 80 Dezibel.

Beim PC sorgen vor allem die Lüfter für Lärm. Wer ganz darauf verzichten will, kann beispielsweise auf eine sogenannte Heat-pipe umsteigen - eine Röhre, die an den Prozessor angeschlossen ist und die Wärme nach außen ableitet. Entsprechend sind auf dem Standardgehäuse Kühlrippen angebracht. Als weitere Lärmquellen nennt Ruoff auch Netzteil, Grafikkarte und Festplatte.

Wie er einen leisen Computer definiert? "Wenn er nachts in einem leisen Zimmer auf dem Teppichboden ein Meter entfernt steht und ich absolut nichts höre", sagt er. Manchmal kommt es sogar vor, dass die Dinger so leise sind, dass man nicht merkt, ob sie überhaupt eingeschaltet sind. Für einen Kunden mussten die Computerspezialisten aus Waldenbuch deshalb noch eine Lampe anbringen, die signalisiert, ob er läuft oder nicht.

Um sich neue Kundengruppen zu erschließen, setzt man künftig mit der Marke Quiet Smart auch aufs untere Preissegment - bei dem das Gerät unter 1000 Euro kostet. Doch nicht nur Privatanwender stören die Computergeräusche. "Auch der Medizinbereich ist interessant", sagt Ruoff.

In Operationssälen oder Patientenzimmern etwa gelten strengere Vorschriften, auch sind in Krankenhäusern wegen der Keimverwirbelung lüfterlose Geräte interessant. Deshalb wurde die MPR Medical Computersystem gegründet, eine Tochtergesellschaft, an der MR Computertechnik und der deutsch-taiwanesische Netzteilhersteller Magic Power Technologe je 50 Prozent halten. Mit dem Dräger-Konzern, der Geräte für den Medizin- und Sicherheitsbereich liefert, ist man bereits im Gespräch.
 

Imelda Flaig

19.08.2008 - aktualisiert: 25.08.2008 16:10 Uhr

 



Lesen Sie sich die Druckausgaben digital im Originallayout mit allen Bildern durch.
ePaper
Für Abonnenten
Für Kaufinteressenten
» Abonnement
» StN Digital
» Einzelexemplar
» Infos
» Preise