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Foto: Firmenfoto

Dr. Liebe in Leinfelden verkauft seine Zahnpastatuben bis nach Hongkong
 

Leinfelden - Fast jeder kennt die kleinen roten Ajona-Zahnpastatuben. Die ersten wurden vor knapp 60 Jahren von Rudolf Liebe in einer Scheune im Stuttgarter Stadtteil Möhringen produziert. In einem Bauchladen bot der Unternehmer damals sein Produkt feil.

Als Rudolf Liebe - Enkel eines Apothekers und Sohn eines Chemikers - nach dem Zweiten Weltkrieg nach Stuttgart kam, hatte er zwei Schränke im Gepäck. Diese waren voll mit alten Rezepturen für Arzneimittel und Pflegeprodukte sowie Büchern mit chemischen Formeln. "Die Schränke stehen noch immer irgendwo bei uns im Keller", sagt Adolf Steffen, der seit 2004 Geschäftsführer des Unternehmens Dr. Liebe ist. Die beiden großen Möbelstücke markieren den Beginn einer Erfolgsgeschichte.

Rudolf Liebe war nicht freiwillig nach Süddeutschland gekommen. Nach dem Zweiten Weltkrieg war der Unternehmer enteignet, seine Firma in Tetschen an der Elbe in Staatseigentum überführt worden. In Stuttgart wagte er einen Neuanfang. Um sich seinen Lebensunterhalt zu verdienen, mixte er in einer Scheune in Möhringen Zahncreme. Die ersten Tuben bot der Unternehmer in einem Bauchladen feil.

"Heute produziert das Unternehmen Dr. Liebe jährlich etwa 15 Mio. Zahnpastatuben", sagt Steffen. Mit seinen 25 Mitarbeitern erzielt die Firma rund neun Mio. Euro Umsatz. Im Sortiment sind neben dem traditionellen Zahnpastakonzentrat Ajona Stomaticum die Zahncremes Aminomed und Pearls & Dents. Hergestellt werden diese in einem Flachbau an der Max-Lang-Straße in Leinfelden, wo das Unternehmen seit 1962 zu finden ist.

Einst wurde hier viel von Hand gemacht. Heute wird Zahnpasta am Fließband produziert: In Sekundenschnelle wird die Paste durch Druckdüsen in Tuben gefüllt. Deren Enden werden automatisch gewalzt und fest verschlossen. Die Pappschachteln werden von Maschinen aufgefaltet, die Tuben werden hineingesteckt und die Deckel heruntergeklappt. Den Menschen braucht es fast nur noch, um die Maschinen zu bestücken und bei Fehlern korrigierend einzugreifen - und natürlich zur Qualitätskontrolle.

Dabei verfolgt das Unternehmen Dr. Liebe eine eigene Philosophie. "Viele Massenproduzenten von Zahncremes versuchen, ihre Produkte allein über den Geschmack zu verkaufen und verwenden dafür künstliche Stoffe. Wir setzen auf natürliche Substanzen wie beispielsweise Pfefferminz-, Eukalyptus- und Kamillenöl. Denn diese haben gleichzeitig eine antibakterielle und entzündungshemmende Wirkung", sagt der Geschäftsführer.

Mit seinen drei Produkten besetzt das Unternehmen Dr. Liebe eine Nische. "Und dort wollen wir auch bleiben", sagt Steffen. Das bedeutet aber nicht, dass die Leinfeldener Firma nicht expandieren will. Gerade wird eine neue Zahncreme entwickelt. Einzelheiten verrät Steffen aber nicht. Nur so viel: "Wir machen nur Dinge, die es noch gar nicht oder zumindest noch nicht so oft gibt."

Außerdem gibt es Überlegungen, auch mal ein anderes Produkt als Zahnpasta auf den Markt zu bringen. Bereits der Firmenvater Dr. Rudolf Liebe entwickelte ein Rezept für ein Mundwasser - inklusive des Designs für das Fläschchen. Doch bis heute ist die Idee nicht umgesetzt worden. "Vielleicht werden wir das irgendwann in Angriff nehmen. Aber wir wollen uns auch nicht verzetteln", sagt der Geschäftsführer.

Das gilt auch für den Vertrieb der Produkte. "Wir konzentrieren uns auf den deutschen und den österreichischen Markt", so Steffen. Darüber hinaus gibt es die Zahncremes aus dem Haus Dr. Liebe aber auch in verschiedenen Ländern Osteuropas, in den Niederlanden sowie im Norden Italiens zu kaufen. Diese Exportgeschäfte hätten sich meist zufällig ergeben. "In Polen war es so, dass ein Händler für Drogeriewaren von Ajona begeistert war. Er wollte das Produkt auch in seiner Heimat verkaufen. So viel ich weiß, war es bei vielen anderen Ländern, in denen es unsere Zahncremes zu kaufen gibt, ähnlich", erzählt Steffen.

Pearls & Dents wird sogar in Hongkong angeboten. Auch dazu weiß der Geschäftsführer eine Geschichte zu erzählen: Die beiden Töchter eines Zahnarztes aus Göttingen leben in dem südostasiatischen Zwergstaat und haben dort eine Firma für kosmetische Produkte. "Weil die zwei Frauen von der Spezialzahncreme überzeugt sind, versuchten sie, diese auch in Hongkong zu verkaufen - mit Erfolg, und das trotz des hohen Preises von umgerechnet 13,80 Euro."


Chronik des Familienbetriebs

1866 Der Apotheker Johannes Paul Liebe gründet ein Unternehmen für diätische und pharmazeutische Präparate in Dresden.
1895 In Tetschen an der Elbe wird eine Zweigstelle eröffnet.
1905 Unter dem Apotheker Willibald Liebe wird die Firma selbstständig.
1919 Der promovierte Chemiker Rudolf Liebe übernimmt den Betrieb in Tetschen an der Elbe. Nach dem Zweiten Weltkrieg wird der Unternehmer enteignet.
1948 Auf der Suche nach einem besseren Leben kommt Rudolf Liebe nach Stuttgart. In Möhringen gründet er eine neue Firma zur Entwicklung und Produktion von Spezialzahncremes.
1950 Das Zahncremekonzentrat Ajona kommt auf den Markt.
1962 Das Unternehmen Dr. Liebe zieht in einen Flachbau an der Max-Lang-Straße in Leinfelden um.
1978 Der Firmenvater Rudolf Liebe stirbt. Seine Frau führt die Geschäfte bis 2004 weiter.
1990 Mit der Zahncreme Aminomed bringt Dr. Liebe ein zweites Produkt auf den Markt.
1997 Die Zahncreme Pearls & Dents, die es nur in Apotheken und bei Zahnärzten zu kaufen gibt, kommt neu auf den Markt.
2004 Der promovierte Chemiker Adolf Steffen wird der neue Geschäftsführer von Dr. Liebe.

 

Alexandra Böttinger

22.08.2008 - aktualisiert: 25.08.2008 16:09 Uhr

 



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