Drucken Versenden

Wilhelma

Beim maroden Affenhaus drängt die Zeit

Das geplante Affenhaus
Bild: Wilhelma

Für den geplanten Neubau fehlen noch eine Million Euro - Raubtiergehege und Elefantenanlage gelten als nächste drängende Projekte
 

Stuttgart - Erst hakte es an den Plänen für eine artgerechte Anlage, seit geraumer Zeit fehlt es am Geld. Noch immer sind die drei Millionen Euro, um die sich das künftige Heim der Menschenaffen der Wilhelma verteuert hat, nicht beisammen. Dabei ist der Ersatz für das marode Affenhaus längst nicht das einzige Projekt, das kaum Aufschub duldet.

Bei der Vielzahl exotischer Tiere, die die Wilhelma beherbergt, sind schwere Geburten an der Tagesordnung. Eine währt indes schon seit einigen Jahren, ohne dass man die Bewohner des zoologisch-botanischen Gartens dafür die Verantwortung zuschieben könnte.

Seit Jahren brennt Direktor Dieter Jauch, den zuständigen Kuratoren und selbstredend auch den Pflegern das Thema unter den Nägeln. Die Menschenaffen, eine der Attraktionen der Wilhelma, wohnen längst nicht mehr zeitgemäß. Gekachelte Gehege als Behausung für Gorillas, Bonobos oder Orang Utans sehen weder Experten noch Besucher gerne, auch wen das vor über 30 Jahren den neuesten Stand der Tierhaltung darstellte. Die Notwendigkeit eines Neubaus zweifelte zuletzt niemand mehr an; allein, wenn es ums Bezahlen ging, duckten sich manche Entscheidungsträger weg. Angesichts der maroden Bausubstanz "läuft uns aber die Zeit davon", mahnt Dieter Jauch jetzt auf Anfrage.

Nach dem Vorstoß des Wilhelma-Fördervereins, 6,5 Millionen Euro für das ursprünglich doppelt so teure Projekt bereitzustellen, brachte das Land Baden-Württemberg in Zugzwang. "So ein Angebot kann man nicht ausschlagen", hatte Ministerpräsident Günther Oettinger schon vor über zwei Jahren erkannt. Inzwischen ist aber der für März 2009 anvisierte Termin für den Baubeginn wieder fraglich. Der Architektenwettbewerb und die folgenden detaillierten Planungen für das komplizierte Vorhaben ergaben Kosten von gut 16 statt der veranschlagten 13 Millionen Euro. "Man kann dieses komplexe Projekt nicht billig rechnen", sagt dazu Architekt Sebastian Jehle vom in Berlin ansässigen Planungsbüro Hascher & Jehle. Die künftige Menschenaffenanlage sei ein Unikat, bei dem viele Details erst im Lauf der Planung deutlich würden.

Nachdem Förderverein und Land jeweils zu gleichen Teilen draufgesattelt haben, fehle immer noch etwa eine Million Euro, bestätigt Direktor Dieter Jauch auf Anfrage. Im September wollen Wilhelma, Land und Förderverein klären, wer den Rest aufbringen soll. "Wir sind noch in Abstimmungsgesprächen", heißt es dazu knapp aus dem Finanzministerium.

Dabei ist das neue Heim der Menschenaffenanlage längst nicht das einzige Projekt, das in den nächsten Jahren das Gesicht der Wilhelma erheblich verändern wird. Der 1,8 Millionen teuere Umbau des Eingangsbereichs ist auf dem Weg gebracht und soll laut Jauch etwa bis zum Frühsommer 2009 abgeschlossen sein. Handlungsbedarf bestehe zudem beim wenig einladenden Betonklotz Elefantenhaus. Der Förderverein hat dafür bereits sieben Millionen Euro zugesagt, doch solange nicht der Rosensteintunnel, der die Wilhelma unterfährt, erst bis voraussichtlich 2015 gegraben ist, lässt auch eine neue Elefantenanlage auf sich warten. Das Land darf sich dabei schon mal auf Kosten bis zu 40 Millionen Euro einstellen, in dieser Größenordnung hat jüngst der Zoo in Kopenhagen in ein ähnliches Projekt investiert.

Die Raubtiere könnten bis dahin eine neue Behausung erhalten, der avisierte Umbau für rund eine Million Euro Anfang 2011 beginnen, wenn nämlich des Affenhauses im Herbst 2010 in Betrieb ist.

Zahlreiche kleinere Projekte wie eine Erweiterung der Wilhelma-Schule oder der Bau einer Vogelzuchtstation sind laut Jauch dank des Fördervereins bereits finanziert.
 

Michael Deufel

26.08.2008 - aktualisiert: 26.08.2008 18:45 Uhr

 



Anzeigen
 
 
Lesen Sie sich die Druckausgaben digital im Originallayout mit allen Bildern durch.
ePaper
Für Abonnenten
Für Kaufinteressenten
» Abonnement
» StN Digital
» Einzelexemplar
» Infos
» Preise