Schlamperei an Uni Hohenheim: Studenten müssen Prüfung wiederholen
Stuttgart - Die Pannen an der Universität Hohenheim reißen nicht ab: Durch Schlamperei ist am Institut für Betriebswirtschaftslehre ein Karton mit Klausuren spurlos verschwunden. Vermutlich wurde er von einer Putzfrau entsorgt. Insgesamt 113 Studenten müssen die Klausur nun noch einmal schreiben.
Statt die Semesterferien zu genießen, diskutieren und spekulieren die Studenten der Wirtschaftswissenschaften an der Universität Hohenheim schon seit Tagen darüber, warum ein großer Teil von ihnen noch immer keine Note für die Klausur "Technik des Rechnungswesen" bekommen hat. "Die sind verbrannt", "vielleicht wurden sie gestohlen" oder "uns hat man eben vergessen" - so lauteten die zunächst noch mit ordentlich Galgenhumor gewürzten Einträge im Internet-Forum StudiVZ.
Doch seit gestern haben die insgesamt 113 betroffenen Studenten die traurige Gewissheit: ihre Klausuren sind spurlos verschwunden. Per E-Mail hat sich der Dozent Christian Klein am Dienstag an seine Prüflinge gewandt, um sie von dem "extrem unglücklichen Vorfall" zu unterrichten. Vermutlich ist der Karton mit den Klausuren vom Reinigungspersonal als Altpapier gewertet und entsorgt worden. Er sei wohl zu nahe am Papierkorb gestanden. Wie die Recherchen der Uni inzwischen ergeben haben, sei das Altpapier schon einen Tag nach dem Verschwinden des Kartons abgeholt und laut dem Abfallwirtschaftsamt der Stadt bereits verbrannt worden.
Das Reinigungspersonal konnte noch nicht befragt werden, da es bis Mitte September im Urlaub ist. Einen Diebstahl schließt Klein aber aus.
Immer mehr betroffene Studenten hatten sich an die Universität gewandt und nach ihrer Note für die bereits am 22. Juli geschriebene Klausur gefragt. "Ich habe jeden Tag im Intranet nachgeschaut, ob die Note jetzt endlich da ist", berichtet ein 22-Jähriger Student aus Sindelfingen. "Als mein Kommilitone sein Ergebnis hatte und bei mir zwei Tage später immer noch keine Note stand, hat man mich zunächst einen Tag vertröstet. Als dann immer noch nichts passiert ist, wusste ich: irgendwas läuft hier ziemlich falsch." An der Universität fiel erst am vergangenen Mittwoch auf, dass ein Karton mit 113 Klausuren fehlt, wie ein Abgleich mit der Anwesenheitsliste ergab. Bei insgesamt zwölf Kartons mit 800 Klausuren und rund 11250 Seiten sei der Verlust eines Kartons "nicht sofort ins Auge" gesprungen, entschuldigt sich Klein.
Die Wut bei den Studierenden ist groß. Mehr als hundert Einträge haben sich im Internet-Forum angesammelt. "Geld kassieren und keine Leistung bringen", echauffiert sich der 22-Jährige und spielt auf die Studiengebühren an, die drei Monate vor Semesterbeginn gezahlt werden müssen.
Die Studierenden sollen die Klausur nun im November erneut schreiben. Die Universität will spezielle Tutorien anbieten, um die unverschuldete Zusatzbelastung einer erneuten Prüfung möglichst klein zu halten. Am Donnerstag will sich Klein persönlich bei den Betroffenen entschuldigen. "Hier besteht auch die Möglichkeit Ihre Verärgerung zum Ausdruck zu bringen", schreibt er. Davon werden die Studenten mit Sicherheit Gebrauch machen.