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Verschwundene Klausuren

Studenten drohen mit Klagen

Dozent der Uni Hohenheim in Erklärungsnot - Viele der 113 betroffenen Studenten drohen mit Klage
 

Stuttgart - Am heutigen Donnerstag geht an der Uni Hohenheim der Akademische Rat Christian Klein einen schweren Gang. Nachdem durch Schlamperei 113 Klausuren verschwunden sind, will sich der Experte für Rechnungswesen vor den Betroffenen rechtfertigen.

"Für die Studierenden ist das Verschwinden von Klausuren höchst ärgerlich", sagt Christian Klein, "für mich als Dozenten ist es eine Katastrophe." Wie berichtet hatten am 22. Juli an der Universität Hohenheim etwa 800 Studierende der Wirtschaftswissenschaften bei Christian Klein und Niklas Lampenius die Klausur "Technik des Rechnungswesens" geschrieben. Wenige Tage später aber verschwand ein Karton mit 113 dieser Klausuren spurlos aus einem Institutszimmer, wo die Arbeiten korrigiert werden sollten.

"Der Rektor der Universität Hohenheim bedauert diesen Vorgang außerordentlich", sagt eine Sprecherin der Hochschule. In Zukunft werde man noch umsichtiger mit Klausuren umgehen. "Wir setzen dabei auf das Verantwortungsbewusstsein der Hochschullehrer."

Für das Verschwinden der Klausuren konnte, so Klein, ein Diebstahl oder ein Studentenulk ausgeschlossen werden. Einbruchsspuren waren nicht festzustellen, Schlüssel für das verschlossene Arbeitszimmer hatten nur wenige Personen. Als plausible Erklärung blieb schließlich eine Entsorgung des Kartons als Altpapier. "Die Putzfrauen-Variante ist die einzige Möglichkeit", sagt Klein. "Denn es macht keinen Sinn, dass ein Dieb nur einen der zwölf Kartons mit den Klausurarbeiten wegnimmt."

Akribisch hat der Dozent den möglichen weiteren Weg des verschwundenen Kartons zu rekonstruieren versucht. Das an diesem Tag an der Uni gesammelte Altpapier ist nicht, wie üblich, beim Recycling gelandet, sondern in der Müllverbrennungsanlage Münster. ,,Das Abfallwirtschaftsamt hat das überprüft", sagt Klein. Das in Hohenheim eingesetzte Fahrzeug brachte das Papier nach Münster. "Dort wird Altpapier teilweise zum Anfeuern der Müllverbrennung verwendet", hat Klein bei seinen Recherchen erfahren.

Richtig hitzig dürfte es am heutigen Donnerstag für den Dozenten selbst werden. Er stellt sich in einem Hörsaal den betroffenen Studenten. Er will sich bei ihnen zum einen entschuldigen, zum anderen gemeinsam mit ihnen einen gangbaren Ausweg aus der misslichen Situation suchen. "Die meisten der Betroffenen haben ihr Kommen angekündigt, viele drohen mit Klagen", sagt Klein, der mit einem Zeitvertrag an der Uni beschäftigt ist und dort zurzeit habilitiert.

Innerhalb der Wirtschaftswissenschaften in Hohenheim gilt Klein als einer der beliebtesten Dozenten. Bei einer Bewertung durch Studenten im Internet wurde er von 97 Prozent empfohlen. Ob das so bleibt?
 

Klaus Eichmüller

27.08.2008 - aktualisiert: 27.08.2008 18:21 Uhr

 



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