Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten vom 28.08.2008
Tage des Zorns
Widerstandshelden
Es gibt Filme, deren Thema so aktuell ist, dass sie zum Erfolg werden trotz offensichtlicher Mängel. Weil die Dänen sich bisher mit ihrer Rolle in der Hitlerzeit kaum auseinandergesetzt haben, war klar, dass "Flammen og citronen", aus dem in der deutschen Fassung "Tage des Zorns" wurde, die Leute ins Kino ziehen würde. So wie Verhoevens "Black Book" in Holland ein Erfolg war, so strömten die Dänen, um die Geschichte zweier Helden des Widerstands zu sehen. Flamme (wegen der roten Haare) und Citron (weil er bei Citroën gearbeitet hat) erschießen in der Zeit der deutschen Besatzung dänische Kollaborateure. Ein Gespräch mit dem Abwehrchef (Hanns Zischler) lässt sie an der moralischen Legitimation ihres Tuns zweifeln, zumal als ein Kind erschossen wird; die geheimnisvolle Tänzerin und Geliebte Ketty (Stine Stengade), die als Kurier eingesetzt wird, sät Zwietracht.
Zum Großteil in Babelsberg gedreht, ist das technisch und handwerklich durchaus ansehnlich, kann sich mit den am Anfang gezeigten Originalaufnahmen vom Einmarsch der Nazis am 9. April 1940 in Kopenhagen messen. Dennoch fallen Fehler auf: Schießübungen in einem engen Keller - ohne Gehörschutz? Die graublau getönten Bilder sind mit bedeutungsschwangerer Musik unterlegt, nach und nach überträgt sich die Verwirrung der Protagonisten auf den Zuschauer: Wem kann man trauen, wer hintergeht wen? Es ist ein Verdienst des Films, dass er sich nicht der simplifizierenden Schwarz-Weiß-Gut-und-Böse-Zeichnung Hollywoods befleißigt, dass er zeigt, wie wenig sich Helden und Schurken in Kriegszeiten unterscheiden. Aber so stringent und packend das zu Beginn geschildert ist, so sehr zerfasert es gegen Ende. Die Fragen, die der Film aufwirft, geben Stoff für Diskussionen ohne Ende. Das macht den Erfolg des Films in Dänemark plausibel.
Peter Kreglinger
28.08.2008 - aktualisiert: 28.08.2008 10:51 Uhr