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Uni Hohenheim

Verschwundene Klausuren, Freibier und Tomaten

Schwerer Gang für Studenten und Dozenten der Uni Hohenheim: Die verschwundenen Klausuren werfen immer neue Fragen auf
Foto: Kern

Hohenheimer Dozent bietet Entschädigung an - Müllheizkraftwerk widerspricht: Wir verbrennen kein Papier
 

Stuttgart - Nachdem an der Uni Hohenheim durch eine Schlamperei 113 Klausuren verschwunden sind, versuchen die verantwortlichen Dozenten Schadensbegrenzung. Er bietet den Betroffenen Tutorien, eine Nachklausur und als Entschädigung Freibier an. Nicht alle Studenten sind damit zufrieden.

Der Rektor der Universität Hohenheim, Professor Hans-Peter Liebig, spricht von einer "selten dämlichen Situation". Kein Wunder: Das spurlose Verschwinden der Klausuren zum Thema "Technik des Rechnungswesens" hat seiner Hochschule ungebeten ein bundesweites Medienecho eingebracht.

Eine Putzfrau soll, so die vom Dozenten Christian Klein als einzig plausibel angesehene Erklärung, offenbar beim Leeren des Papierkorbs aus einem verschlossenen Arbeitsraum einen Karton mit Klausuren entsorgt haben, der wohl zu nahe am Abfalleimer abgestellt war. "Dann wurden die Papiere in Münster verbrannt", sagt Klein.

"Man sollte nicht in einer armen Putzfrau die Schuldige sehen" warnt Liebig, "die hat doch alles richtig gemacht." So sehen es auch Klein und sein Kollege Niklas Lampenius. "Es ist klar unser Fehler", versichert Klein, als er und sein Kollege am Donnerstag in einer Gesprächsrunde vor 45 betroffenen Studenten den Sachverhalt schildert. Immer wieder breitet Klein schuldbewusst die Arme aus. "Ich kann nur wiederholen, es tut mir, es tut uns sehr, sehr leid." Sein mehrmaliger Appell an die Studenten bekommt fast einen flehenden Unterton: "Lassen Sie uns das Problem gemeinsam lösen, nicht gegeneinander." Der Vorschlag sieht so aus: Die Dozenten bieten zu Semesterbeginn zwei bis drei Tutorien zum Klausurthema an. "Dann müssen alle Betroffenen die Klausur noch einmal schreiben", sagt Klein. "Wir garantieren absolute Fairness."

Klein und sein Kollege Lampenius befinden sich unter Druck und überlegen, was sie den Studierenden als Entschädigung für den zeitlichen Mehraufwand fürs Lernen anbieten könnten. "Meine Frau hat vorgeschlagen, Tomaten auszuteilen, mit denen Sie uns bewerfen können", versucht Klein einen Scherz. Ernst gemeint ist ein anderer Vorschlag: "Wir bieten Ihnen als Entschädigung 100 Liter Freibier an - aus unserer Tasche finanziert."

Bei den Zwischenfragen der Studenten wird deutlich, dass dieses Angebot nicht überall ankommt. "Kommilitonen könnten zu dem Schluss kommen, diese Entschädigung ist lächerlich", formuliert ein Student. Eine Studentin wirft ein, viele ihrer Kommilitonen müssten nebenher arbeiten und könnten den zusätzlichen Lernaufwand für die Nachklausur gar nicht leisten. Zumal bereits bald schwierige Klausuren in Mathematik auf den Programm stünden.

Auch die betroffene Studentin Nicole Fröhlingsdorf hat der Stoff für die Rechnungswesen-Klausur bereits abgehakt. "Wenn ich jetzt nachschreibe, muss ich andere Fächer vernachlässigen". Doch dem Ärger steht bei ihr große Sympathie für den Dozenten gegenüber. "Herr Klein ist ein sehr guter Dozent, ein sehr Lieber", sagt Nicole Fröhlingsdorf. "Einen solchen Fehler hätte ich lieber anderen Professoren gewünscht."

Apropos Fehler: Kleins Behauptung, die Klausuren seien als Altpapier in der Müllverbrennungsanlage Münster gelandet, um dort zum Anfeuern zu dienen, lässt sie so wohl nicht halten. Maria Dehmer, Pressesprecherin der EnBW-Kraftwerk AG, widerspricht Kleins Version. "Ich kann ausschließen, dass im Restmüllheizkraftwerk Münster Papiercontainer oder Altpapier ankommen", sagt Maria Dehmer. Dort würden zum Anfeuern der Müllverbrennung ausschließlich Gaszündbrenner verwendet. Bestätigt wird das auch von Annette Hasselwander, Sprecherin der des Eigenbetriebs Abfallwirtschaft Stuttgart (AWS): "Auf den Fildern eingesammeltes Altpapier gelangt generell zur Verwertung nach Plieningen."
 

Klaus Eichmüller

28.08.2008 - aktualisiert: 28.08.2008 18:16 Uhr

 



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