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Fantasy Filmfest

Wenn Filmeschauen zur Mutprobe wird

Fantasy Filmfest: Szene aus "Repo! The Genetic Opera"
Foto: Verleih

Stuttgart - Der Termin ist fest verankert im Terminplaner eingefleischter Filmfans mit einem Sinn für Nervenkitzel: Das Fantasy Filmfest stoppt nach seiner Wanderschaft durch deutsche Großstädte von diesem Mittwoch an im Stuttgarter Metropol-Kino.

Eine ganze Woche lang zeigen die Veranstalter des erfolgreichen Genre-Festivals das neueste aus Horror, Thriller, Science-Fiction, Fantasy und fernöstlicher Kampfkunst - und wie immer haben sie auch einige skurrile Streifen im Angebot. Jenseits des Hollywood-Standardprogramms bewegen sich die rund 40 abendfüllenden Spielfilme sowie einige Kurzfilme.

Manch ein Film möchte hier entdeckt werden - in Fankreisen weiß man sehr wohl, dass viele Streifen nur hier und nur dieses eine Mal auf der großen Leinwand zu sehen sein werden. Und das auch noch in unzensierter Form, was besonders Horror-Anhänger fasziniert - die Mehrzahl der Filme gibt es später nur in verstümmelten Fassungen auf DVD.

Festival-Gänger stehen vor der Herausforderung, sich ihr individuelles Programm zusammenzustellen, immerhin gilt es, aus jeweils zwei parallel laufenden Streifen den vermeintlich besseren auszuwählen - trotz der im Internet verfügbaren Trailer zu allen Filmen ein kompliziertes Unterfangen. Da gibt es beispielsweise den heiß erwarteten Brutalo-Schocker "Martyrs" aus Frankreich, der dem Vernehmen nach bereits in anderen Festivalstädten zum Kreislaufkollaps einiger Besucher geführt hat. Entscheidet man sich für diese Mutprobe, muss man zwangsläufig auf das gleichzeitig laufende nostalgische Doppelprogramm verzichten: Da gibt es zweimal Christopher Lee zu sehen, anno 1960 ("City of the Dead") und anno 1970 ("Taste the Blood of Dracula"). Letztendlich wird man hier wie auch sonst seinem Bauchgefühl vertrauen müssen.

Wer französische Filme mag, in den vergangenen Jahren stark mit harten Thrillern vertreten, dem bieten sich auch diesmal Möglichkeiten. "Ca$h" (mit Jean Dujardin und Jean Reno), "Crossfire" und "The Protocol" bedienen die ganze Palette - vom großen Gauner-Coup über den Polizei-Thriller bis hin zur Verschwörungstheorie. Überhaupt steht europäisches Kino hoch im Kurs. In "Nothing to Lose" aus Holland flieht ein Sexualstraftäter aus der Anstalt und nimmt ein junges Mädchen zur Geisel - eine böse Geschichte, die kalte Schauer auf dem Rücken verspricht. Aus Schweden kommt "Let the Right One in", eine Geschichte über Vampirkinder, die sich in keine Genreschublade stecken lässt.

Eine Therapie besonderer Art ist das Thema des norwegischen Films "The Art of Negative Thinking", in dem ein Querulant eine Motivationsgruppe für Behinderte sprengt - immer dicht an Tabugrenzen. Sogar Griechenland ("Tale 52") und Ungarn ("The Investigator") sind vertreten und dürften für neue Impulse sorgen. Traditionsgemäß gibt es natürlich auch Opulentes aus Asien. "Three Kingdoms" und "An Empress and the Warriors" sind zwei Historienspektakel, die farbenprächtige, monumentale Bildarrangements versprechen.

Dagegen entführt Takashi Miikes "Like a Dragon" ins gegenwärtige Japan, in dem Yakuzas den Ton angeben. Miike gehört fast schon zum Stammpersonal des Festivals und vermag dennoch stets zu überraschen. Extreme Spannung verspricht das Regiedebüt des Südkoreaners Na Hong-Jin, dessen Film "The Chaser" zum Abschluss des Festivals einen harten Serienkiller serviert. Und auch der Eröffnungsfilm hat es in sich: In "Eden Lake" von Regieneuling James Watkins wird der Ausflug eines jungen Pärchens zu einem idyllischen See zum knallharten Überlebenskampf. Die Botschaft ans Festivalpublikum ist eindeutig: "Zart Besaitete Vorsicht - wir meinen es ernst!"

  • 3. bis 10. 9., Metropol (Bolzstraße 10)
    www.fantasyfilmfest.com

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    Wolfram Hannemann

    01.09.2008 - aktualisiert: 01.09.2008 17:26 Uhr

     



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