Sindelfingen/Rottenburg - Sie sorgen für Kühlung im ICE, bei Lebensmitteln in Discountern und Supermärkten, auf Fischfangflotten, in Spielcasinos von Las Vegas bis Macao und sogar fürs richtige Arbeitsklima - Kompressoren vom Mittelständler Bitzer mit Sitz in Sindelfingen.
"Im Grunde sind wir bei der ganzen Nahrungskette - vom Meer bis zur Ladentheke - dabei", sagt Christian Wahlers, Finanzchef der Bitzer SE. Der Kühl- und Klimatisierungsspezialist stellt Kältekompressoren her und ist bei sogenannten Schraubenverdichtern Weltmarktführer.
"Sie müssen sich das vorstellen wie bei einem Kühlschrank", sagt Vertriebschef Hans Meurer. Kaum ist die Kühlschranktür geöffnet, ist ein leicht surrendes Geräusch zu hören - wenn der Kompressor anspringt. Bitzer liefert quasi das Herzstück der Klimatisierung. Das reicht von kleinen Verdichtern bis zu Großgeräten, mit denen sich ganze Industriehallen klimatisieren lassen. In Singapur beispielsweise werden rund 85 Prozent aller öffentlichen Gebäude mit Bitzer-Technik klimatisiert.
Auch bei den Olympischen Spielen in Peking war Klimatisierungstechnik der Schwaben mit im Spiel - in den neuen Stadtbahnlinien, den offiziellen Mannschaftsbussen und etlichen Hotelneubauten. Mehr als 65 000 Verdichter hat der Weltmarktführer für Bus Air Condition dort verkauft. Asien - allen voran China - ist ein Wachstumsmarkt für die Kältebranche, deren Umsatzpotenzial in Europa bei rund einer Mrd. Euro liegt.
Im chinesischen Peking beschäftigt Bitzer rund 600 Mitarbeiter, weltweit sind es etwa 2700. Fast die Hälfte der Beschäftigten - 1300 Mitarbeiter - arbeiten in Deutschland, wo Bitzer neben dem Stammsitz Sindelfingen noch weitere Werke hat. Vor fünf Jahren erst ist der neue Standort Rottenburg-Ergenzingen dazugekommen, wo Forschung und Entwicklung sowie Produktion angesiedelt sind - nach Firmenangaben das modernste Schraubenverdichter-Werk der Kältebranche. Hier tüfteln die Bitzer-Ingenieure an den Produkten der Zukunft, die immer höhere Anforderungen in Sachen Energieersparnis und umweltschonende Kältemittel haben. Heutige Kältemittelverdichter brauchen etwa 20 bis 30 Prozent weniger Energie als noch vor zehn Jahren.
Obwohl das Unternehmen den Großteil seiner Mitarbeiter in Deutschland beschäftigt, werden die meisten Geschäfte jenseits der Grenzen gemacht. Der Exportanteil liegt bei mehr als 90 Prozent. Mittlerweile verfügt Bitzer über mehr als 30 Tochtergesellschaften und ist in 90 Ländern präsent. Die Zeichen stehen weiter auf Wachstum, wenngleich die Raten etwas geringer, aber immer noch zweistellig ausfallen. Im laufenden Jahr sind rund zehn Prozent Zuwachs geplant, so dass der Umsatz die 500-Millionen-Marke knacken dürfte. 2007 hatte der Umsatz um rund 20 Prozent auf 460 Mio. Euro zugelegt. Binnen fünf Jahren hat sich der Umsatz sogar verdoppelt, wobei im gleichen Zeitraum weltweit 1000 neue Mitarbeiter dazugekommen sind. Als Alleingesellschafter Peter Schaufler die Firma 1979 von seinem Vater übernommen hatte, lag der Umsatz bei rund 15 Mio. Euro.
Obwohl auch bei Bitzer gestiegene Rohstoffpreise vor allem für Guss und Stahl zu Buche schlagen, gibt man sich mit dem Ergebnis zufrieden. Absolute Zahlen nennt das Familienunternehmen nicht, nur so viel: "Es sind sehr gute schwarze Zahlen."
Für die Kälteindustrie und damit fürs eigene Unternehmen sehen die Bitzer-Manager enorme Wachstumschancen, vor allem im Ausland. "Wenn man bedenkt, dass immer noch rund 40 Prozent der Nahrung verderben, weil nicht genügend Kühlsysteme zur Verfügung stehen", nennt Vertriebschef Meurer ein Beispiel und denkt dabei etwa an Länder wie Indien.