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Prävention

Esslingen macht gegen Jugendgewalt mobil

Am Wochenende vor dem Bahnhofsgelände in Esslingen präsent: Die mobile Polizeiwache
Foto: Franziska Kraufmann

Dauereinsatz der Polizei am Bahnhof - Stadt setzt auf Prävention
 

Esslingen - Mit einer mobilen Wache hält die Polizei am Esslinger Bahnhof gewaltbereite Jugendliche in Schach. Dennoch prügeln und randalieren junge Leute in der Stadt mehr denn je. In diesem Jahr gab es bereits 30 Straftaten bei den unter 21-Jährigen.

Nach zahlreichen Zwischenfällen mit aggressiven Jugendcliquen rund um die Zug- und Buszentrale hat sich die Esslinger Polizei dazu entschlossen, den öffentlichen Saufgelagen, Pöbeleien und Schlägereien Einhalt zu gebieten. Seit März zeigt sie deshalb am Freitag- und Samstagabend auf dem weiträumigen Platz Dauerpräsenz mit einer mobilen Wache. Der Auftritt blieb nicht ohne Wirkung. "Seither hat sich die Szene beruhigt", zieht Erich Haag, Jugendsachbearbeiter bei der Esslinger Polizei, Bilanz.

Insgesamt nehmen die blutigen Streitereien unter jungen Leuten in Esslingen aber zu. 2003 registrierten die Beamten noch 31 Fälle. Im vergangenen Jahre waren es bereits 57 Straftaten - von Körperverletzung bis zum versuchten Totschlag. Und auch 2008 werde diese Zahl erreicht, schätzt die Esslinger Polizei.

Auch die mobilen uniformierten Aufpasser können Gewaltausbrüche in ihrem Einsatzgebiet nicht ganz verhindern. Vor allem dann nicht, wenn wie in der Nacht zum 2. August noch weitere Aufgaben für die Ordnungshüter anstehen. Just an diesem Freitagabend, als fast das gesamte Esslinger Polizeirevier wegen eines Großbrandes ausrücken musste, kam es auf dem Bahnhofsplatz zu einem heftigen Streit zwischen Jugendlichen. Am Ende gab es mehrere Verletzte. Unter ihnen befand sich ein junger Mann aus Göppingen, dem ein polizeibekannter Schläger eine abgebrochene Flasche in den Hals rammte. "Das Opfer hatte Glück, dass es nicht verblutet ist", schildert Haag das Ausmaß der Brutalität.

Zwei 18-jährige Rädelsführer der Clique, die sich Original Mettingen Gangsters nennt, konnte die Polizei rasch verhaften und einsperren. Ein Dritter ist noch immer auf der Flucht. Die jungen Männer sind wie auch einige Anführer anderer Krawallgruppen alte Bekannte bei der Esslinger Polizei. Sitzen sie wegen einer Straftat wieder einmal im Gefängnis, entspannt sich die Lage am Bahnhof oder an anderen Brennpunkten in der Stadt.

Eine trügerische Ruhe. Haag weiß aus Erfahrung, dass manchmal nur ein Blick oder ein Wort eines Außenstehenden genügen, die eine Clique ausrasten und zuschlagen lassen. Die Sucht nach Anerkennung durch die Freunde lasse alle Hemmungen fallen. Und meistens sei bei den Gewaltausbrüchen Alkohol im Spiel. Von einem generellen Alkoholverbot, das alle öffentlichen Plätze der Innenstadt betrifft, halten Polizei und das städtische Ordnungsamt allerdings nichts. Dies sei nur schwer zu kontrollieren und zudem sei exzessives Trinken in der Öffentlichkeit bereits jetzt schon durch die geltende Polizeiverordnung untersagt.

Dennoch haben sich Polizei und Stadt dazu entschlossen, neben den Spielplätzen auch Schulhöfe und die für Trinkgelage beliebten Buswartehäuschen zu alkoholfreien Zonen zu erklären. "Diese Verordnung macht es den Polizeistreifen einfacher, bei Verstößen wirksam durchzugreifen", meint Ordnungsamtsleiter Gerhard Gorzellik.

Stadt und Polizei wissen allerdings genau, dass Verbote allein nicht ausreichen, um das Problem in den Griff zu bekommen. Gorzellik kündigt deshalb ein "mächtiges Vorbeugungsprogramm" an. In Zukunft sollen vor allem die Kinder und Jugendlichen erreicht werden, die an der Schwelle zu einer Gewaltkarriere stehen.
 

Gerhard Schertler

05.09.2008 - aktualisiert: 05.09.2008 17:41 Uhr

 



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