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Von Wasserschäden und "gezielter Verleumdung"

Professor kämpft um seinen Ruf

Stuttgart - Nachdem die Staatsanwaltschaft zwei Anzeigen gegen Professor Dr. Henner Ertel wegen des Verdachts des Missbrauchs akademischer Titel prüft, geht der Betroffene jetzt in die Offensive. Ertel hat Anzeige wegen Verleumdung gegen mehrere Wissenschaftler erstattet. Weitere sollen folgen. Doch es gibt Ungereimtheiten.

Der Stuttgarter Professor Henner Ertel gibt sich in der Schweiz am Telefon jovial. Doch wenn man ihn anspricht auf die gegen ihn erhobenen Vorwürfe, als da sind Zweifel am wissenschaftlichen Tiefgang seiner Untersuchungen oder eine möglicherweise unrechtmäßige Herkunft seiner akademischen Titel, wird der Gesprächspartner wortkarg. "Auf Rat meiner Anwälte will ich dazu mündlich nicht Stellung nehmen", sagt Ertel, "denn mir wird eh alles im Mund umgedreht". Deshalb verweist er lieber auf seine "Richtigstellung der wahrheitswidrigen Behauptungen und Verleumdungen" im Internet. "Dort könne sie auch nachlesen, woher ich meinen Doktortitel habe."

Doch so leicht kommt man an Ertels Text nicht heran. Wer ihn lesen will, muss sich registrieren lassen. Selbst dann aber kann die "Richtigstellung" nur abgerufen werden, "wenn der Empfänger bis zum Abschluss der Gerichtsverfahren einen Verschwiegenheitserklärung unterschreibt". Seit gestern aber ist diese "Verschwiegenheitserklärung aufgehoben!" Doch statt konkreter Informationen über die Herkunft des Doktor-Titels von Ertel erfährt der Internet-Leser: "Ich habe einen ,ordentlichen' Master, Doktor und eine Professur. Übrigens, in allen unseren in- und ausländischen Unternehmen haben wir die Titel abgeschafft. Bei uns kann sich keiner hinter seinem Titel verstecken."

Dafür erfährt man in dem 40-seitigen Text einiges über Ertels in Stuttgart angesiedeltes G.R.P.Institut für Rationelle Psychologie. Das G.R.P. werde aufgelöst, er selbst sei dort bereits 2003 ausgeschieden, zudem habe "schon ab 2003 alle Forschungsbereiche die Mindtrust.net (damals noch Schweiz/Liechtenstein, inzwischen Singapore) verantwortlich übernommen". Außerdem habe Ertel seine weltweiten Forschungsprojekte bereits "seit Jahren über die Academy of Neuroscience" und "später über die virtuelle University of Neuroscience" koordiniert. Und: "Ich wurde von der University of Neuroscience zum Vice-Chancellor berufen und leite dort das internationale Forschungsprojekt Mindtrust.Net", teilt Ertel mit.

Scharf verwahrt sich der Betroffene gegen Veröffentlichungen in der "Zeit" und bei "Spiegel-Online", wo die virtuellen University of Neuroscience als "nichts weiter als eine Briefkastenfirma" bezeichnet wird. Ertel spricht von einer "gezielt losgetretenen Verleumdungskampagne im Auftrag Dritter" und von "böswilligen und negativen Spekulationen".

Möglicherweise aber nährt Ertel als Vizekanzler und Rektor der virtuellen University of Neuroscience schon bald weitere Spekulationen über die Herkunft seines Professorentitels. Hat doch nach seinem eigenen Bekunden "die Neuroscience eine Universitäts-A-Lizenz und darf beispielsweise die Amtsbezeichnung Professor für Mitarbeiter vergeben." Ertel gibt sich gelassen: "Die Unterlagen dazu werden wir selbstverständlich auch dem Staatsanwalt vorlegen."

Zweiflern an seiner wissenschaftlichen Reputation hält Ertel mehrere Akademie-Mitgliedschaften entgegen, unter anderem in der Russian International Academy of Medical-Technical Sciences, der Russischen Universität der Völkerfreundschaft sowie an Universitäten in China und Japan. Auch den Vorwurf, Ertel selbst und sein G.R.P. Institut habe auf seriösem wissenschaftlichen Gebiet wenig Spuren und kaum Publikationen vorzuweisen, widerlegt der Betroffene mit dem Argument, sein Institut habe unter anderem "ein 571 Seiten umfassendes Handbuch für unsere Kunden und Forschungspartner herausgegeben". Und dann beruft sich Ertel auch noch auf ein nicht selbst zu verantwortendes Missgeschick. "Unser gesamtes Archiv sowie die elektronische Archivierung" wurde " durch zwei extreme Wasserschäden und Überschwemmungen 1998/1999 in unserem Institut beschädigt und teilweise völlig vernichtet."
 

Klaus Eichmüller

12.09.2008 - aktualisiert: 12.09.2008 17:56 Uhr

 



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