Konstanz - Ein Wissenschaftler der Universität Konstanz schlägt Alarm: Der Klimawandel könnte am Bodensee langfristig die Hochwassergefahr steigern und das Einwandern subtropischer Pflanzen und Tiere, beispielsweise der stark giftigen tropischen Blaualge, erleichtern, sagt Dr. Karsten Rinke.
Nicht alle finden das alarmierend. Dem Unternehmer Walter Klaus etwa wird nachgesagt, ein Visionär zu sein. Als seine 13 Millionen Euro teure und 1000 Passagiere fassende "Sonnenkönigin", das größte Schiff des Alpenraums, erinnerte er an eine Vorhersage: In einigen Jahren werde niemand mehr an die Adria reisen, sondern lieber wegen der dort zu erwartenden Hitze in heimischen Gefilden bleiben, also beispielsweise am Bodensee Urlaub machen. Dafür brauche es Kapazitäten, und die wolle er bereitstellen, sagte der Unternehmer. Es gelte, die neuen Chancen, die der Klimawandel mit sich für die Region Bodensee bringe, zu nutzen.
Also alles Friede, Freude, Eierkuchen? Überhaupt nicht, sagt Rinke, der Biologe vom Limnologischen Institut der Universität Konstanz. Er will die Öffentlichkeit für die negativen Folgen des Klimawandels sensibilisieren, klar machen, dass dringender Handlungsbedarf besteht - und zwar für alle, weil alle von den Auswirkungen des Klimawandels betroffen sind. In der globalen Perspektive spielt Wasser eine große Rolle. Zu den Auswirkungen des Klimawandels am Bodensee macht der Biologe mit Hilfe von Modellen Vorhersagen bis ins Jahr 2100.
Am 8. Oktober 2008 stellt er im "Kolloquium Bodenseeforschung 2008" in Langenargen am Bodensee seine Forschungsergebnisse vor. Erste Vorboten für den Klimawandel am Bodensee hat Rinke schon ausgemacht: In den letzten beiden Wintern wurde das Bodensee-Wasser nicht richtig durchmischt. "Abbauprozesse zehren am Sauerstoffgehalt des Tiefenwassers, während neuer Sauerstoff nur durch Mischungsprozesse und damit einhergehender Tiefenwassererneuerung nachgeliefert wird", sagt der Forscher, der drei Jahre lang für das Projekt "BodenseeOnline" gearbeitet hat. "Ist der Sauerstoff im Tiefenwasser aufgebraucht, kippt das Ökosystem um, wie man im Volksmund sagt."