Singles, so sehen es zumindest Familien, haben jede Menge Kohle. Sie können ihr Geld für eigene Interessen ausgeben und Prioritäten setzen, ohne Gezerre, ohne Streit. Die Betroffenen sehen das anders: "Als Alleinlebender habe ich viel höhere Lebenshaltungskosten." Hier einige Beispiele:
Miete und NebenkostenNach der Trennung von ihrem Partner muss Bettina H. allein für die Miete ihrer Dreizimmerwohnung aufkommen. Bei 750 Euro beträgt das Plus 375 Euro im Monat. Nun muss sie auch die Müll-, Heiz- und Energiekosten sowie die Beiträge für Telefon- und Internetflatrate sowie die Gebühreneinzugszentrale alleine schultern. "Nur der Wasserverbrauch ist zurückgegangen", sagt sie.
Das AutoDas Auto hat Bettina H. aus eigener Tasche bezahlt, doch beteiligte sich ihr Partner früher an den Versicherungs- und Benzinkosten sowie an der Kfz-Steuer. Macht gleich ein paar Hunderter mehr im Jahr.
EinkaufGleichberechtigung herrscht, wo Unverpacktes abgewogen wird: Obst, Gemüse, Wurst, Fleisch, Getreide. Hier geht's nach Kilopreis, für kleine Portionen zahlt man oder frau anteilig weniger. Weil aber offene Ware schneller verdirbt, greifen Singles häufiger zu Verpacktem oder zu Fertignahrung. Da sieht es fast immer schlecht aus bei kleinen Portionen. Neun verschiedene Milchmarken stehen im Regal unseres Test-Supermarkts, doch nur eine Halbliterpackung. Sie kostet 65 Cent, der volle Liter dieser Marke kostet 1,09 Euro. So geht es weiter: Das halbe Pfund Butter ist mit 79 Cent ausgezeichnet, die doppelte Menge mit 1,29 Euro. Krass sind die Unterschiede bei Honig: In der 500-Gramm-Flasche liegt der 100-Gramm-Preis bei 79 Cent, im 375-Gramm-Glas bei 93 Cent, beim 33-Gramm-Gläschen steigt er auf stolze 2,29 Euro. So geht es weiter. Ob Piccolo, Wein, Spülmaschinentabs: Kleine Gebinde, mit denen Singles besser zurechtkommen, sind teurer.
ReiseEinige Veranstalter haben das Potenzial von Alleinlebenden erkannt und grenzen sie nicht mehr aus. Ein Blick auf die Angebote der Touristik-Riesen jedoch zeigt: Singles zahlen mehr, wenn sie ein Einzelzimmer belegen. Sieht man näher hin, haben nur die Doppelzimmer Meerblick und Balkon. "Da bezahlt man mehr und muss sich mit dem Eckzimmer am Aufzug zufriedengeben", zitiert Brigitte Sievering-Wichers von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg aus Beschwerden. "Für den Mehrpreis erhalten Alleinreisende bei Reservierungen im Restaurant auch noch den Katzentisch." Ihr Vorschlag: spezielle Klön-Tische in Restaurants für alle, die nicht allein essen möchten - "nicht als Kontaktbörse, sondern für jene, die einfach kommunizieren möchten".
SteuerAn Singles verdient auch der Staat gut - zumindest gegenüber Verheirateten mit einem gleich großen Einkommen. Ein Blick auf Steuertabellen zeigt: Bei zwei Einkommen ist das Ehepaar-Splitting ein klarer finanzieller Vorteil. Bei einem Bruttojahresverdienst von 36 000 Euro erhält der Fiskus vom Single in Steuerklasse eins rund 7800 Euro Einkommensteuer und 429 Euro Solidaritätszuschlag. Ist der Betroffene verheiratet, sinkt die Steuerlast (in Steuerklasse drei) auf 4630 und der Solidaritätszuschlag auf 254,90 Euro. Auf zwölf Monate umgerechnet beträgt der Unterschied rund 260 Euro.