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Aktivitäten für Alleinstehende

Anbandeln bei Sport und Spiel

Foto: StN

Radtouren als großer Such- und Finde-Treff - Freizeittreff bietet buntes Programm für alle über 30
 

Schon mal versucht, mit einem Single spontan etwas auszumachen? Ein schwieriges Unterfangen. Wer als ungebundener Zeitgenosse etwas auf sich hält, hat einen vollen Terminkalender, freie Abende sind auf Wochen verplant. Verständlich, gibt es doch "nichts Schlimmeres für einen Single, als weggehen zu wollen und nicht zu können", weiß Petra Öhler, Leiterin des Stuttgarter Freizeittreffs. Ihre Mitglieder brauchen sich um die Gestaltung des Feierabends keine Sorgen machen. Petra Öhler organisiert Wanderungen, Radtouren, Kulturveranstaltungen, Wochenendausflüge, Reisen oder auch nur mal einen gemeinsamen Kneipenbesuch. "Wer zu uns kommt, will mehr erleben und seinen Bekanntenkreis erweitern", erzählt die 35-Jährige. Mit dieser Idee im Kopf hatte der Esslinger Peter Riedel vor zwölf Jahren den ersten Freizeittreff gegründet. Er wollte aktive, offene Menschen zusammenbringen, die gemeinsam Sport, Spiel und Spaß erleben. Inzwischen haben sich bundesweit rund 3000 Menschen zwischen 30 und 70 Jahren dafür begeistern lassen. Der größte Club mit 700 Aktiven ist in Stuttgart. Die Treffen sind nach Altersgruppen aufgeteilt: Die über 30-Jährigen sehen sich im Treff Ü 30, die über 50-Jährigen im Fifty-plus, und ältere Semester organisieren sich im Club 66 plus. Obwohl der Freizeittreff sich nicht als Single-Club versteht, sind viele Mitglieder ungebunden. Dass sich der eine oder andere beim gemeinsamen Paddeln oder Skifahren näherkommt, schließt Petra Öhler nicht aus. "Ich habe hier selbst meinen Mann kennengelernt", erzählt die Bankangestellte. Trotzdem hält sie dem Kreis weiterhin die Treue. "Schließlich geht es in erster Linie um das gemeinsame Erlebnis."

Partnervermittlung liegt auch nicht im Aufgabenbereich des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC). Tatsache ist jedoch, dass sich vor allem Singles auf den Sattel schwingen. "Unsere Radtouren waren schon immer ein großer Such- und Finde-Treff", erzählt der Stuttgarter Kreisgeschäftsführer Peter Beckmann. Warum auch nicht? Schließlich könne man beim Fahrradfahren ungezwungen anbandeln. Fragen nach der Schaltung oder der Radmarke werden nicht gleich als Anbagger-Versuch missverstanden. Die Mehrheit der Radler ist zwischen 30 und Mitte 50 und - männlich. Ein ideales Revier für Frauen. "Bei uns gibt es praktische, handfeste Typen, die auch mal was schrauben können", wirft er sich für seine Geschlechtsgenossen in die Bresche. Mitradeln kann jeder, Nichtmitglieder zahlen pro Tour aber einen kleinen Obolus. Für den Anfang empfiehlt Beckmann die Einsteiger-Tour, damit man testen kann, ob das Fahren in der Gruppe überhaupt etwas ist. "Viele haben ein Problem, wenn sie ein vorgegebenes Tempo fahren müssen."

Während der Radsport eher bei Männern beliebt ist, gilt Tanzen als typisches Frauenhobby. In der Stuttgarter Tanzschule Burger-Schäfer schwankt das Verhältnis Mann/Frau von Kurs zu Kurs. Nicht immer sind die Frauen in der Mehrheit. "Auf jeden Fall sorgen wir für Ausgleich", verspricht Geschäftsführer Jörg Gallitz jedem Tanzwilligen einen Partner, der in der nach eigenen Angaben größten Single-Tanzschule in Stuttgart das Standard- und Lateinprogramm lernen will. Mit zusätzlichen Angeboten wie Bällen oder Reisen pflegt die Tanzschule ihr Klientel im Alter von 40 bis Mitte 50, das neben Ehepaaren und Schüler die dritte wichtige Zielgruppe ist.

Ob Mann oder Frau - beim Squaredance spielt das eine untergeordnete Rolle. "Für Singles ist dieser Tanz ideal", wirbt Reinhold Scherr, Präsident der Stuttgarter Rebläuse, für das Erlernen dieses aus den USA stammenden Volkstanzes. Dabei tanzen jeweils vier Paare im Quadrat (Square) nach den Vorgaben eines Ansagers, des sogenannten Callers. Zur Grundstufe gehören etwa 66 Formationen, Fortgeschrittene beherrschen bis zu 150 Figuren. Wer welche Schritte macht, ist im Grunde nebensächlich, denn der Partner tanzt spiegelverkehrt. Jeder kann den Part des anderen übernehmen. "Nur drei Figuren werden geschlechtsbezogen ausgeführt", erklärt Reinhold Scherr. Im Großraum Stuttgart gibt es rund 30 Squaredance-Vereine mit einer breiten Altersspanne. Von der Großmutter bis zum Enkel ist alles dabei. Jetzt im Herbst bieten wieder viele Vereine Anfängerkurse an. Einsteiger brauchen allerdings Geduld. Etwa ein Dreivierteljahr dauert es, bis ein Ungeübter die Schritte im Kopf hat.
 

Gabriele Kiunke

10.10.2008 - aktualisiert: 10.10.2008 17:24 Uhr

 



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