Stuttgart - Mit Babykost hat der bayrische Unternehmer Claus Hipp Erfolgsgeschichte geschrieben. Am Mittwoch feiert er seinen 70. Geburtstag und denkt noch lange nicht an Rückzug.
Herr Hipp, läuft es an Ihrem Geburtstag wie im Alltag, also schließen Sie morgens wieder die Wallfahrtskapelle Herrenrast bei Pfaffenhofen auf und gehen dann ins Geschäft?
Nein, ich werde nicht da sein, sondern meinen Geburtstag bei meinem Sohn in Polen verbringen. Der hat dort einen Landwritschaftsbetrieb und die ganze Familie eingeladen.
Aber sonst schließen Sie die Kapelle auf und sind ab und zu auch noch als Aushilfsministrant tätig?Ich mache beides. Die Kirche sperr' ich in der Früh immer auf, und wenn der Münchner Dommessner mich anruft, ob ich Zeit zum Ministrieren hab', weil er jemanden braucht, dann komme ich.
Die Manager sind in der Kritik. Sie sind bekennender Katholik, führt man als solcher ein Unternehmen anders?Es gibt sehr viele gute Manager und es gibt auch welche, die Fehler machen und weniger gut sind. Man darf wegen einiger Ausnahmefälle nicht alle in einen Topf werfen. Natürlich ist ein Inhaber eines Unternehmens freier in seinem Handeln. Er kann es sich eher leisten auch mal auf Gewinn zu verzichten, als ein Manager eines börsennotierten Unternehmen, der Angst um seinen Job haben muss, wenn die Aktienkurse entsprechen nach unten gehen. Es gibt viele Manager, die in der Vergangenheit sehr, sehr hochbezahlt wurden - was nicht normal ist. Das ist ähnlich wie im Sport. Wenn es nur wenige gibt, die richtig gut sind, steigert sich der Verdienst in die Höhe. Aber ich denke bei Managern gebe es schon mehr, die eine gleich gute Leistung erbringen könnten.
Was war Ihre schwierigste Entscheidung als Unternehmer?Schwierige Entscheidungen gibt es eigentlich immer zu fällen. Das schwierige ist, dass man den richtigen Weg weitergeht und auf mögliche kurzfristige Erfolge verzichtet, um langfristig Erfolg zu haben. Die Umgebung bringt dafür oft wenig Verständnis auf.
Was bedeutet für Sie Erfolg?Erfolg habe ich, wenn ich's recht gemacht hab', und mein Handeln Anerkennung findet vor anderen. Denn dann handeln andere in die Richtung, in die wir gedacht haben.
Sie sind ein sehr vielseitiger Mensch. Sie sind Unternehmer, Maler und Musiker. Was machen Sie am liebsten?Alles zu seiner Zeit. Es gibt Situationen, wo dem Maler nichts mehr einfällt, dann macht er Musik. Und Situationen, in denen dem Musiker die Luft ausgeht, dann macht er wieder was anderes. Aber Unternehmer ist mein Hauptberuf. Die anderen Dinge sind schön, und ich mach sie sehr gerne. Das eine kommt dem anderen zugute.
In TV-Spots treten Sie persönlich auf mit den Worten: "Dafür stehe ich mit meinem Namen." Warum?Das war ein Vorschlag der Werbeagentur. Und nachdem auch bei uns die persönliche Haftung normal ist, finde ich es auch richtg, dem Verbraucher zu sagen, wie wir denken, handeln und Verantwortung tragen.
Hipp ist der weltgrößte Verarbeiter von organisch biologischen Produkten. Wie erklären Sie sich den Erfolg von Hipp?Unser Erfolg hängt sicher damit zusammen, dass wir das Qualitätsprinzip ernst nehmen und immer beste Produkte zum günstigsten Preis anbieten wollen. Das hat mein Vater schon so gemacht und mein Großvater auch. Man kann es auch das Bestreben nennen, als ehrbarer Kaufmann zu handeln.
Sind Sie auch bei Discountern im Geschäft?Ja, nicht bei Aldi. Es kommt immer auf den Einzelfall an.
Es gibt immer mehr Senioren. Warum lässt sich der Erfolg der Babynahrung nicht auf Erwachsene übertragen? Das ist die Frage, ab wann ist einer Senior? Keiner möchte alt sein, alle wollen jung sein. Babynahrung kann man sehr wohl für ältere Leute einsetzen. Man kann sie nachwürzen. Wir verkaufen auch eine ansehnliche Menge an ältere Leute. Wir bewerben das aber nicht extra. Ein älterer Mensch will beim Essen dabei sein wie alle anderen. Wenn er etwas bekommt, was speziell für seine Altersgruppe gedacht ist, fühlt er sich ausgegrenzt. Nicht aber bei etwas, was normale, gesunde Kinder essen. Im übrigen essen auch viele junge Frauen Babynahrung, weil sie wenig Kalorien hat, sättigt und ein gesundes Produkt ist.
Was ist Ihr Lieblingsgläschen?Ich hab' Aprikosen sehr gern.
Hipp hat teilweise das Produktprogramm ausgeweitet mit Babypflegeprodukten. Kommt noch mehr dazu?Unsere Entwicklungsabteilung hat immer eine Fülle von Ideen und der Vertrieb wählt aus, was erfolgversprechend ist. Könnte also schon sein.
Ihr Umsatz stagniert, weil die Zahl der Kinder abnimmt. Sind Sie dennoch zufrieden? Es könnte besser laufen, wenn es mehr Kinder gäbe. Wir werden versuchen, unser Auslandsgeschäft auszuweiten, das derzeit etwa ein Viertel ausmacht.
Haben Sie Angst vor Übernahmen?Es gibt immer wieder Versuche, Übernahmegespräche mit uns zu führen. Solange andere an uns interessiert sind, ist es doch ein gutes ein Zeichen. Wir wollen aber lieber klein und allein bleiben, als irgendwo untergehen.
Sie werden 70. Denken sie an Rückzug?Solange meine Kinder mich noch brauchen können und das Gefühl haben, ich kann ihnen helfen, mach' ich natürlich weiter.