Stuttgart - Neue Privatgalerien und Ausstellungsräume, aber auch neue private Museen und neue Verantwortliche in den öffentlichen Kunstforen – die Kunstszene in der Region Stuttgart ist im Aufbruch. Unter dem Titel „Über Kunst...“ präsentieren die Stuttgarter Nachrichten hierzu eine neue Veranstaltungsreihe. Erster Gast auf der „Über Kunst“-Bühne in der Stuttgarter Galerie Klaus Gerrit Friese (Rotebühlstraße 87) war am Dienstagabend Hans Dieter Huber, seit 1999 Professor für Kunstgeschichte an der Stuttgarter Kunstakademie.
Mehr als 100 Besucher wollten beim Start von „Über Kunst...“ dabei sein – und sie erlebten in Hans Dieter Huber einen Kunstwissenschaftler, der seine Arbeit „im Sinn von Joseph Beuys, der mich in den 1980er Jahren sehr beeindruckt hat“, als „soziale Plastik sieht“.
Dem Lehrer, Forscher und Theoretiker Hans Dieter Huber galt das Interesse von Moderator Nikolai B. Forstbauer, Kulturressortleiter unserer Zeitung. Für die Kunsthochschulen forderte Huber „das Baukasten-Denken“ aufzugeben.
„Da gibt es ein Fach für Messer, eines für Gabel, eines für Löffel – die jungen Künstler aber nutzen alles selbstverständlich gleichzeitig.“ Dieser Entwicklung, so Huber weiter, „müssen wir noch mehr als bisher gerecht werden.“ Umgekehrt müssten die Studierenden das „großartige Ganze einer Kunstakademie“ auch „annehmen“. „Es reicht nicht“, so Huber, „mit 80 Kilometer durch ein Studium zu gondeln. Da erwarte ich schon, dass man Vollgas gibt.“
Aktuell beschäftigt sich Huber, der bereits 1995 mit einer Untersuchung zu den Bildrealitäten im Internet hervorgetreten ist, mit der Frage „wie Bilder in der beschleunigten Realität wirken“. Immer wieder überrascht Huber dabei mit einem Sprung zurück in die Kunstproduktion in früheren Jahrhunderten.
„Ich kann“, begründet er dies, „mit den Mitteln der Systemtheorie die Bedingungen des Kunstmachens etwa in der Renaissance sehr viel schärfer fassen“. Zugleich aber ermögliche die Auseinandersetzung mit früheren Jahrhunderten einen „offenen Blick auf die Gegenwart“.
Huber, der vor seinem Kunstgeschichtsstudium in Heidelberg Malerei und Grafik an der Münchner Kunstakademie studiert hat, bestätigte, dass er sich in seiner wissenschaftlichen Arbeit wieder stärker mit der Frage der eigenen Kunstproduktion beschäftige. „Ich verstehe meine Arbeit im Sinn der sozialen Plastik auch als künstlerische Arbeit“, sagte Huber denn auch. Und zuletzt: „Ich sitze hier eigentlich als Künstler“.
Nach dem viel versprechenden Auftakt – unter den Besuchern waren unter anderen Hans D. Christ, Direktor des Württembergischen Kunstvereins, sowie Ludger Hünnekens, Rektor der Stuttgarter Kunstakadmie, die Galeristen Karin Abt, Rainer Wehr, Edith Wahlandt und Anja Rumig, der Sammler Rudolf Scharpff, Kunststiftungsgeschäftsführerin Petra von Olschowski, Künstlerhausleiter Axel Wieder sowie die Künstler Holger Bunk und Herbert Egl – soll „Über Kunst“, die neue Veranstaltungsreihe der Stuttgarter Nachrichten, noch in diesem Jahr fortgesetzt werden.
Weitere Eindrücke von der Veranstaltung finden Sie auf der Homepage der:
Galerie Friese