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Stuttgart

Obama hat im Partyzelt ein Heimspiel

Mit Spannung wurde das wahlergebnis erwartet
Foto: Piechowski

Im Deutsch-Amerikanischen Zentrum in Stuttgart verfolgen Hunderte die Wahlnacht auf Großbildleinwand
 

Stuttgart - Hätten die Teilnehmer der US-Wahlparty im Deutsch-Amerikanischen Zentrum (DAZ) in Stuttgart alleine entscheiden dürfen - Barack Obamas Sieg wäre noch klarer ausgefallen. Bei jedem Staat, den der Demokrat gewinnt, bricht vor der Großleinwand frenetischer Jubel aus.

Das weiße Zelt im Innenhof des DAZ ist ganz auf amerikanisch getrimmt. An der Decke hängen blau-weiß-rote Girlanden, die Tische sind mit amerikanischen Flaggen geschmückt. Eine Band schmettert Country-Songs. Mehrere Hundert Amerikaner und Deutsche haben sich versammelt, um die Präsidentenwahl live auf der Großbildleinwand zu verfolgen. Viele von ihnen tragen Plastikhüte, auf denen das demokratische Wappen zu sehen ist. Die Stimmung ist entspannt, man mampft Hotdogs und hält, in Ermangelung eines Originals, mexikanisches Bier in der Hand.

Als pünktlich um ein Uhr der Sender CNN die ersten Hochrechnungen für die Bundesstaaten Vermont, Kentucky, Indiana und Virginia bekanntgibt, sind die letzten Zweifel über die Verteilung der Sympathien beseitigt. Weil Obama in Vermont führt, brandet frenetischer Jubel auf. John McCains Stimmenübergewicht in Kentucky dagegen löst Buhrufe aus. Würde nur in diesem Zelt gewählt, Obama hätte ein ganz leichtes Spiel. "Er wird den Glauben in Amerika auf der ganzen Welt stärken", sagt Tamara Miller, die der Liebe wegen aus Tennessee nach Deutschland gekommen ist. Zudem könne er das Gesundheitssystem verbessern und die Probleme mit der Einwanderung lösen.

Dass Obama wie sie selbst schwarz ist, spielt dagegen keine Rolle. "Wichtig ist nur, dass er einen multikulturellen Hintergrund hat und nicht nur Politik für die Reichen macht." Mit ihrem Faible für Obama kann Tamara sich der Unterstützung der anwesenden Deutschen sicher sein. Auch die Studenten Anna Grigoriadou und Lorenz Haid bekennen sich als Fans. "Mit ihm wird sich das negative Bild Amerikas in der Welt wieder zum Besseren wenden."

In einer ruhigen Ecke des Raumes sitzt Ulrich Bachteler, der Chef des DAZ, und kaut auf einer Bratwurst im Brötchen. Für ihn ist die Party zur US-Wahl zur Routine geworden. Auch vor vier und acht Jahren hat er zur Wahlnacht in den Innenhof des Waisenhauses am Charlottenplatz geladen. Angesichts des sich abzeichnende Sieges von Obama warnt er jedoch vor überzogenen Erwartungen an den neuen Präsidenten. "Eigentlich kann er nur verlieren", sagt Bachteler. Mit dem Irak-Krieg, der Wirtschaftskrise und den Herausforderungen des Klimaschutzes seien die Probleme gewaltig. Gerade die Deutschen könnten leicht enttäuscht werden. "Obwohl er vielleicht eher den Dialog sucht als sein Vorgänger Bush, wird auch Obama die Interessen der Amerikaner mit Nachdruck vertreten."

Auf der CNN-Leinwand erscheinen weitere blau gefärbte Staaten, die sofort Beifall hervorrufen. Während es im Zelt schon schwer genug ist, ein paar Amerikaner aufzutreiben, sind McCain-Anhänger eine scheinbar ausgestorbene Art. Valerie Rosewich, die an einem Stand Buttons und Hüte verkauft, deutet auf die beiden Körbchen vor ihr. Während sie bei Obama mit Nachfüllen kaum nachkommt, erweisen sich McCain-Devotionalien als Ladenhüter.

Doch die Suche nach echten Republikanern wird schließlich belohnt. Zwischen den Obama-Grüppchen fallen Thea Nielsen und Ali McDaniel mit ihren roten T-Shirts, der Farbe der Konservativen, auf. Die beiden Studentinnen aus Massachusetts und Georgia, die an der Uni Hohenheim einen Masterabschluss machen, sind bekennende McCain-Anhänger, obwohl sie so gar nicht ins Klischee passen. Jung, akademisch und trotzdem republikanisch? "Wir wurden erzogen, hart für unser Geld zu arbeiten", sagt Thea mit Blick auf die von Obama geplanten Verbesserungen des Sozialsystems. Der Demokrat sei zwar ein guter Rhetoriker, doch McCain der eigentliche Reformer. Denn dieser sei viel weniger von seiner Partei abhängig als Obama und könne sich daher mit seinen politischen Zielen besser durchsetzen.

Als Florida schließlich an Obama fällt, ist der Jubel groß und die Wahlnacht im Zelt so gut wie gelaufen. Die Band spielt wieder auf, während die neuesten CNN-Analysen über den Bildschirm flimmern. Die Obama-Anhänger prosten sich zu und strecken die Finger zum Siegeszeichen. Thea Nielsen und Ali McDaniel haben mit dem Wahlausgang trotzdem kein Problem. "Hätte McCain gewonnen, wäre die Enttäuschung bei vielen wesentlich größer gewesen", sagen sie und verschwinden hinaus in die Nacht.
 

Michael Gerster und Christopher Reinecke

05.11.2008 - aktualisiert: 05.11.2008 18:47 Uhr

 



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