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60 Jahre Vinyl (34)

Bob Dylan - Subterranean Homesick Blues (1965)


Bob Dylan: Subterranean HomesickBlues

Bob Dylan: Subterranean Homesick Blues (Columbia)
Foto: sir


Liebe Dylanologen, Dylanonisten und sonstige Hüter der Wahrheit!

Natürlich ist bekannt, dass diese Platte im Ursprungsland und an vielen anderen Flecken dieses Planeten den Titel "Bringing It All Back Home" trägt. Es gibt jedoch drei gute Gründe, sie hier wie ganz oben genannt zu präsentieren:

1. Sie wurde in Deutschland eben unter jenem Titel veröffentlicht
2. Sie steht in just dieser Ausgabe in meinem Plattenregal
3. "Subterranean Homesick Blues" ist der eindeutig bessere Name

Mit dieser vom 13. bis 15. Januar 1965 aufgenommenen Platte nahm Bob Dylan einen radikalen Kurswechsel vor. Vom politischen Folksänger, der an Woody Guthries Krankenbett gewacht hatte und mit seinen ersten Alben in dessen Fußstapfen zu treten schien, hin zum geheimnisvollen Individualisten, der klare Botschaften durch sprachgewaltige, introvertierte Bilder und die akustische Gitarre durch eine lärmende Rockband ersetzte. Letztere sorgte auf der ersten Plattenseite für eine erste, tief im Blues verwurzelte Blaupause des Folkrock. Dylan selbst schien sich im elektrischen Klanggewitter pudelwohl zu fühlen, gab mal den Shouter, mal den hartgesottenen, abgeklärten Poeten, der seine surreal anmutenden Wortkaskaden nonchalant zwischen den Saiten der elektrischen Gitarren zum Trocknen aufhängte, auf dass sie seinen Hörern gehörig um die Ohren flatterten. Wer von Dylan noch politische Statements erwartete, wurde enttäuscht. Stattdessen gab er deutlich zu Protokoll, nicht mehr länger gewillt zu sein, sich vor den Karren der Folk-Bewegung spannen zu lassen: "I ain’t gonna work on Maggie’s farm no more!"


Das auf der zweiten, nahezu rein akustischen Seite platzierte "It’s Alright, Ma (I’m Only Bleeding)", ein sich über 15 Verse und siebeneinhalb Minuten erstreckender, ausdrucksstarker, von Metaphern überbordender und melodisch überaus ansprechender Song, kann zweifellos zu Dylans besten Werken gezählt werden. Mit "Mr. Tambourine Man" und "It’s All Over Now, Baby Blue" finden sich hier gleich zwei Originale, die später in Versionen von den Byrds und Them mit ihrem Sänger Van Morrison zu Welthits werden sollten.

Doch mit dem "unterirdischen Heimweh Blues", der das Album eröffnete, schuf Dylan unter der Regie von D. A. Pennebaker nicht nur das erste (und wahrscheinlich immer noch beste) Musikvideo, sondern belegte in diesem scheppernd um die Ecke biegenden Talking Blues, dass Humor und Weisheit eng beieinander liegen. Denn wer Dylans hier gemachten Ratschlag beherzigt, müsste souverän und ohne größere finanzielle Verluste durchs Leben kommen: "Don’t follow leaders. Watch the parkin' meters."

Trackliste:

1. Subterranean Homesick Blues
2. She Belongs To Me
3. Maggie's Farm
4. Love Minus Zero/ No Limit
5. Outlaw Blues
6. On The Road Again
7. Bob Dylan's 115th Dream
8. Mr. Tambourine Man
9. Gates Of Eden
10. It's Alright, Ma (I'm Only Bleeding)
11. It's All Over Now, Baby Blue

Zum Anschauen: Subterranean Homesick Blues



Zum Weiterhören: Highway 61 Revisited (1965), Blonde On Blonde (1966)

 
 

 

Uwe Hopf

27.11.2008 - aktualisiert: 27.11.2008 13:04 Uhr

 



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