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Alice Cooper

"Ich spiele ihn mit Haut und Haaren"

Sieht immer noch gut aus: Alice Cooper
Foto: Promo

Stuttgart - Vincent Damon Furnier alias Alice Cooper steht seit 40 Jahren auf der Bühne, schrieb Welthits wie "School's Out" und "Eighteen" und verkaufte über 50 Millionen Platten. Am Samstag gastiert der Erfinder des Geisterbahn-Rocks mit seinem 25. Album "Along Came A Spider" in der Porsche-Arena.

Mr. Cooper, Ihre "Welcome To My Nightmare"-Show entfachte in den 1970ern in den USA einen handfesten Skandal. Wie reagiert das Publikum heute auf Alice Cooper?
Heutzutage ist es unmöglich, die Leute mit einer Rockshow zu schockieren. Alles Schreckliche, was auf der Welt geschieht, ist im Internet zu sehen. 1975 war eine unschuldigere Zeit. Ich will mit meinem Cabaret des schwarzen Humors nur unterhalten. Diesmal werde ich nicht enthauptet, sondern aufgeknüpft. Und zwar in einer Zwangsjacke. Der Henker legt mir den Strick um den Hals, während ich meine Hände nicht benutzen kann. Das Publikum soll in einen Sog hineingezogen werden. Es wird zum Mob, der skandiert: Hängt ihn!

Benutzen Sie Ihr Alter Ego Alice Cooper, um Ihre dunklen Triebe auszuleben?
Als ich den Charakter schuf, wollte ich ihn zu dem Bösewicht des Rock'n'Roll machen. Gleichzeitig hatte er auch Eigenschaften einer Comicfigur. Immer, wenn Alice schreckliche Dinge tut, hat das auch etwas Witziges und Befreiendes. Alice Cooper ist praktisch das Gegenstück zu Vincent Furnier. Wenn Sie mich privat auf der Straße sehen, ein Foto oder Autogramm haben wollen: kein Problem. Aber Alice Cooper würde das nie machen. Er ist mies und arrogant.

Hat Vincent Furnier die Aufgabe, die Untaten des Alice Cooper wieder gutzumachen?
So ist es. Ich spiele ihn mit Haut und Haaren, so wie Anthony Hopkins es mit Hannibal Lector in "Das Schweigen der Lämmer" gemacht hat. Für mich ist es die größte Herausforderung, eine Figur zu verkörpern, die man privat überhaupt nicht leiden kann.

Wie den Frauenmörder Spider, Protagonist Ihres neuen Albums?
Wir hassen echte Serienkiller wie Charles Manson oder Jeffrey Dahmer, der es bevorzugte, seine Opfer zu zerstückeln und aufzuessen. Gleichzeitig sind wir fasziniert von fiktiven Figuren wie Darth Vader, Hannibal Lector oder dem Joker. Spider ist aber keine reine Erfindung, er trägt Züge realer Personen. Ich fand die Idee klasse, dass er seine Opfer wie eine Spinne in Seide verpackt und ihnen als Trophäe ein Bein abschneidet. Um eine richtige Spinne zu sein, braucht er davon insgesamt acht. Zu seinem Unglück verliebt er sich in sein letztes Opfer.

Sind Ihre Töchter Sonora Rose und Calico Zane auch diesmal live mit von der Partie?
Ich wollte meine Töchter unbedingt dabeihaben. Nicht nur, weil sie zur Familie gehören, sondern weil sie beide eine professionelle Schauspielausbildung haben und in verschiedene Rollen schlüpfen können.

Würde Sie ein familiäres Fernseh-Format wie "The Osbournes" reizen?
Nein, ich hasse Reality-TV. Wie wäre es stattdessen mit einem Film über mein Leben? Johnny Depp könnte mich zum Beispiel spielen (lacht). Es müsste auf jeden Fall jemand sein, der wirklich gut aussieht.

Salvador Dalí widmete Ihnen einst das Kunstwerk "First Cylindric Chromo-Hologram Portrait of Alice Cooper's Brain", eine künstliche Nachempfindung Ihres Gehirns.
Das war ein typisches Dalí-Werk. Aus dem Gehirn lief Schokolade und überall krabbelten Ameisen herum, die "Alice" und "Dolly" sagten. Leider ist die Skulptur unauffindbar. Ich habe mich persönlich bei Dalís Nachlassverwaltern erkundigt, aber niemand weiß, wo sie ist.

Sie haben seit 40 Jahren denselben Manager: Shep Gordon. Eine ungewöhnlich lange Bindung im Musikgeschäft.
Noch ungewöhnlicher ist der Umstand, dass wir nie einen Vertrag gemacht haben. Shep Gordon ist mein bester Freund. Jemandem sein ganzes Schicksal anzuvertrauen, ist sehr ungewöhnlich in einer Welt, in der sich viele Gauner tummeln.
 

Fragen von Olaf Neumann

26.11.2008 - aktualisiert: 26.11.2008 16:04 Uhr

 



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