Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten vom 04.12.2008
Quarantäne
Schwache Kopie
Für eine TV-Dokumentation sollen eine Reporterin und ihr Kameramann ein Feuerwehrteam eine Nacht lang begleiten. Ein Hilferuf führt sie in ein großes Mietshaus, in dem extrem aggressive Bewohner lauern. Es ist gängige Praxis, dass Hollywood asiatische und europäische Horrorfilme neu verfilmt. Allerdings nimmt die Geschwindigkeit zu: Der vorzügliche spanische Horrorstreifen "REC" war noch im Mai in unseren Kinos zu sehen, und das Remake orientiert sich exakt am Original.
Zwar wurde die Story von Spanien nach Los Angeles verlagert, doch ansonsten wird Szene für Szene nachgespielt. Lichtsetzung, Blickwinkel, Kameraführung, Szenenbild - mit Ausnahme von ein paar unwesentlichen Details wurde alles direkt übernommen. Die Zuschauer erleben den ganzen Film durch die Linse des Fernseh-Kameramanns, verwackelt, unscharf, schnell, ohne Filmmusik. Dass die Neuauflage dem Original nicht das Wasser reichen kann, liegt zum einen an der Hauptdarstellerin. Mit ihrer Übertreibung, mit Schreien und Hecheln, nervt sie gehörig. Zum anderen schöpft der Film die Möglichkeiten seiner Tonspur bei weitem nicht aus. Richtiger Horror entfaltet sich nicht. Wer sich wirklich gruseln möchte, dem sei der Griff zum spanischen Original empfohlen - ab sofort auch auf DVD.
Wolfram Hannemann
04.12.2008 - aktualisiert: 04.12.2008 13:00 Uhr