Bereits das Plattencover ist pure Provokation: die Zerstörung eines Musikinstruments (in diesem Fall der Bass von Paul Simonon) und ein Cover-Diebstahl in Form und Farbe (eine "Fast-Kopie "des ersten Elvis-Albums). Weiter könnte man The Clash beschuldigen, Punkrock musikalisch verwässert und ohne viel Ahnung über Politik gesungen zu haben. Als dann das US-Fachblatt Rolling Stone das englische Quartett als eine der "besten Rock’n’Roll-Bands der Welt" rühmte, war der Verrat natürlich besiegelt.
Auf London Calling entfalteten The Clash eine stilistische Breite, die außer Punk und Reggae auch andere Einflüsse wie Rockabilly ("Brand New Cadillac"), Ska ("Rudie Can’t Fail”), Pop ("Lost In The Supermarket") und Rhythm & Blues ("I’m Not Down") einschließt. Sänger Joe Strummer zog damals Bilanz: "Wir waren Teil einer Szene, aber die ist verschwunden. Viele Leute ohne wirkliche Ideen hatten versucht, auf den Zug aufzuspringen."
London Calling ist auch heute noch ein revolutionäres Zeitdokument in Vinylform, eine Demonstration von (nicht für möglich gehaltener) musikalischer Vielfältigkeit und politischem Engagement, das besonders mit dem dreiteiligen Nachfolger "Sandinista!" seinen Höhepunkt findet.
Der Titelsong – Ehre oder Fluch – wird 2002 in den James-Bond-Film "Die Another Day" eingebaut, auch zu einer Wiedervereinigung von The Clash kommt es nach der Trennung 1985 nicht mehr: Bandleader Joe Strummer stirbt kurz vor Weihnachten 2002 an Herzversagen. Und der Rolling Stone wählte London Calling, obwohl 1979 erschienen, zum besten Album der 80er Jahre.
"And after all this, won’t you give me a smile?"
Trackliste:
1. London Calling 2. Brand New Cadillac 3. Jimmy Jazz 4. Hateful 5. Rudie Can't Fail 6. Spanish Bombs 7. The Right Profile 8. Lost In The Supermarket 9. Clampdown 10. The Guns Of Brixton 11. Wrong 'Em Boyo 12. Death Or Glory 13. Koka Kola 14. The Card Cheat 15. Lover's Rock 16. Four Horsemen 17. I'm Not Down 18. Revolution Rock
Zum Anschauen: London Calling
Zum Weiterhören: The Clash (1977), Sandinista! (1980)