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60 Jahre Vinyl (42 und Schluss)

The Beatles - Abbey Road (1969)


Abbey Road

The Beatles: Abbey Road (Apple Records)
Foto: sir


Bei den Aufnahmen zu "Get Back” (1970 als "Let It Be" veröffentlicht) herrschte Endzeitstimmung bei den Beatles: George Harrison verließ Anfang Januar 1969 die Proben, weil er sich von Paul McCartney nicht mehr vorschreiben lassen wollte, "wann ich was und wann zu spielen habe". Ringo Starr hing seinen Filmplänen nach und John Lennon meinte pragmatisch: "Wir hörten auf, eine Band zu sein, als wir aufhörten, zusammen in Schallplattenläden zu gehen und unsere Lieblingssingles anzuhören”. Nach dem legendären Auftritt auf dem Dach des Apple-Gebäudes Ende Januar 1969 legte man das "Get Back"-Projekt auf Eis.

McCartney unternahm im Sommer 1969 einen letzten Versuch, dem kollektiven Spirit der Beatles wieder Leben einzuhauchen und rief Produzent George Martin an, ob er ein neues Studio-Album mit den Beatles produzieren wolle. Ob mit dem Arbeitstitel "Everest" der höchste Berg der Welt, mit den "Fab Four" oben winkend oder die inspirierend wirkende Zigarettenmarke eines Tontechnikers gemeint war, gehört ebenso in die Schublade der "Rauberpistolen" wie die Verschwörungstheorien um das berühmte Zebrastreifen-Bild vor den Abbey Road Studios: Das barfüßige Auftreten McCartneys sei ein altes Mafia-Symbol für den Tod einer Person – überhaupt sei er bereits 1966 durch einen Autounfall ums Leben gekommen und durch ein Double ersetzt worden, was wiederum erkläre, weswegen McCartey als einziger nicht im Gleichschritt mit den anderen gehe und als Linkshänder eine Zigarette in der Rechten halte. Obendrein kämen Lennon wie ein Geistlicher, Starr wie ein Leichenbestatter und Harrison wie ein Totengräber daher.


Auch wenn es bei den Fans bis heute große Unstimmigkeiten zwischen der A- und B-Seite gibt - "Abbey Road" gehört zu den klanglich und kompositorisch progressivsten Arbeiten des Quartetts, vollgestopft mit emotionalen Komplikationen in einem Universum unterschiedlichster Songs und Songfragmenten: Das eröffnende "Come Together" von John Lennon ("Das Stück war ziemlich funky"), als "Wahlkampfsong" für Timothy Leary geschrieben, dann das anmutige "Someting", George Harrisons Reifeprüfung als Songwriter. "Maxwell’s Silver Hammer" beschreibt die Fallstricke des Lebens mit dem neuen Sound des Moog-Synthesizer, McCartneys "Oh Darling" entstand während der "Get Back"-Sessions, Ringo steuerte mit dem Kinderlied "Octopus’s Garden" nach "Yellow Submarine" seinen zweiten eingängigen Seaside Song bei und zuletzt das psychedelische "I Want You – She’s So Heavy" mit McCartneys unvergleichlichem Bass.

Die B-Seite, bei Fans gleichermaßen geliebt und gehasst, eröffnet George Harrisons luftige Komposition "Here Comes The Sun" – ein Lied, das die Ankunft des Frühlings nach einem harten Winter feiert. Die Antworten auf alle Fragen liefert "Because", es folgen "You Never Give Me Your Money" und "Sun King" als eine musikalische Dosis LSD - und dann die berühmte Suite mit "Mean Mr Mustard", Polytheme Pam", "She Came In Through The Bathroom Window" und dem letzten Schwanengesang mit "Golden Slumbers", "Carry That Weight" und der grandiose Abschied bei "The End" mit einer letzten Gitarrenschlacht von John Lennon, Paul McCartney und George Harrison, sowie Ringo Starrs einzigem Schlagzeug-Solo. Und ein letztes Mal vereinigen sich alle drei Gesangsstimmen zu den Zeilen "And In The End The Love You Take Is Equal To The Love You Make". Es war das perfekte Ende ihrer Studio-Karriere.

Ich habe "Abbey Road" von meinen Eltern Anfang der 80er Jahre zu Weihnachten geschenkt bekommen, mit einem Schutzsiegel zu Umtauschzwecken. Doch daraus wurde nichts, sie lagen richtig: "Abbey Road" ist für mich nicht nur eine Straße im Londoner Stadtteil St. John’s Wood oder das Aufnahmestudio der Beatles, "Abbey Road" ist mir ein treuer Wegbegleiter auf Vinyl, auf der Straße des Lebens.

"Ich mag den Gedanken, daß die alten Beatles-Fans erwachsen geworden sind, daß sie geheiratet und Kinder gekriegt haben und daß sie mehr Verantwortung tragen, daß sie in ihren Herzen aber immer noch Platz für uns haben."
(George Harrison 1943 – 2001)

Trackliste:

1. Come Together
2. Something
3. Maxwell's Silver Hammer
4. Oh! Darling
5. Octopus's Garden
6. I Want You (She's So Heavy)
7. Here Comes The Sun
8. Because
9. You Never Give Me Your Money
10. Sun King
11. Mean Mr. Mustard
12. Polytheme Pam
13. She Came In Through The Bathroom Windows
14. Golden Slumbers
15. Carry That Weight
16. The End
17. Her Majesty

Zum Anschauen: Something



Zum Weiterhören: Rubber Soul (1965), Revolver (1966), The Beatles (The White Album, 1968)

 
 

 

Stefan Nitzsche

30.12.2008 - aktualisiert: 14.01.2009 12:52 Uhr

 



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