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Sonderausstellung im Lindenmuseum

Besuch im Reich der Schamanen

Ewenken-Schamane
Foto: Museum

Stuttgart - Zuletzt war das Lindenmuseum in der Kritik, kämpfte mit schwindenden Besucherzahlen. Jetzt hat es zum Gegenschlag ausgeholt und bietet mit "Schamanen Sibiriens" die größte Sonderausstellung der vergangenen zehn Jahre. Der Reichtum an exzellenten Exponaten beruht aus der Kooperation mit dem Russischen Ethnographischen Museum St. Petersburg.

"Der Schamanismus steht im Widerspruch zur Vernunft - in der westlichen Welt ist er in der Esoterik ein Mittel der Zivilisationskritik", sagt Dr. Erich Kasten, Kurator der Ausstellung, die nach vier Jahren Vorbereitung durch Ethnographen aus Stuttgart und St. Petersburg zu Stande gekommen ist.

Nach langer Zeit können jetzt auch Exponate aus der Gründungsphase des Museums, die den zweiten Weltkrieg überlebt haben, in angemessenem Rahmen ausgestellt werden.

Gerade das Sammeln von mit dem Schamanismus verbundenen Gegenständen war schwer: Die Besitzer wollten sie nicht herausgeben, weil sie befürchteten, dass die Sammler die ihnen innewohnenden Geister nicht beherrschen könnten.

So groß Sibirien ist, so vielfältig sind dort Lebenswelten und -formen. Die nordasiatischen Völker leben in Tundra, Taiga und Steppe, züchten Rentiere, jagen und fischen. Die Alltags- und Kunstgegenstände umfassen Schnitzereien und Malereien auf Walrosszähnen, Rentiergeweihen, Leder und Fischhäuten, Produkte aus Birkenrinde und Holzstatuen. In den von Flüssen durchzogenen Wäldern des Amurgebietes gibt es Gewänder aus Fischhäuten. Schon Graf Linden hat Silberschmuck dieser Region gesammelt, auch einen prächtigen Silbersattel.

Wie wird man Schamane? Erfahrene Alte lehren die Fähigkeit, in Trance zu fallen, in der die Stimmen der Geister zu hören sind. Eine mit Symbolen der Himmelsrichtungen und mit Hilfsgeistern wie Bären und Rentieren bemalte Trommel kann dabei als Landkarte oder gar als Sattel zum Ritt in die Geisterwelt dienen, denn die Völker Sibiriens betrachten ihre Umwelt als beseelt. Krankheiten und ausbleibendes Jagdglück resultieren aus Fehlern der Menschen.

Die Ausstellung dokumentiert zudem die Verfolgung der Schamanen in der Sowjetzeit und den Neo-Schamanismus nach dem Zerfall der Sowjetunion. Beeindruckend für alle Sinne sind die multimedialen Schamanismus-Welten des New Yorker Ethnographen Dr. Thomas Miller.

"Sollte die Ausstellung ein Misserfolg werden, müssen wir uns künftig auf kleine Ausstellungen beschränken", sagt Thomas Michler, Direktor des Museums. Werde sie ein Erfolg, gebe es in Zukunft weitere Projekte: Eine Südsee und eine Maori-Ausstellung sind geplant.

Die Sonderausstellung Schamanen Sibiriens wird am Samstag, 13. Dezember, zehn Uhr, von Ministerpräsident Günther Oettinger eröffnet und dauert bis 28. Juni 2009.

Öffnungszeiten: Täglich außer Montag zehn bis 17 Uhr, Mittwoch zehn bis 20 Uhr. Eintritt: 7 Euro, ermäßigt 5 Euro. Führungen: Sonntags 11 Uhr, Mittwochs 18 Uhr.
 

Götz Schultheiss

11.12.2008 - aktualisiert: 12.12.2008 14:08 Uhr

 



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