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Nord-Süd-Dialog

Rückspiel am Neckar

Christian Wulf und Bettina Körner (re.) unterliegen Günther Oettinger und Friederike Beyer.
Foto: Kraufmann

Stuttgart - Zwei Bundesländer vertiefen ihre Freundschaft: Mit 800 Gästen aus Politik, Wirtschaft, Sport, Kultur und Medien haben Baden-Württemberg und Niedersachsen ihren 2007 begonnenen Nord-Süd-Dialog fortgesetzt. Das Römerkastell wurde am Mittwochabend zum Partygipfel der Prominenz.

Christian Wulff, der Regierungschef von Niedersachsen, reiste quasi zum Rückspiel an. Vor einem Jahr war er als Tischkicker gegen den Kollegen Günther Oettinger angetreten - beim ersten Nord-Süd-Promi-Treffen, das man in Hannover als "Party des Jahres" gefeiert hatte.

Nord-Süd-Dialog
Foto: Kraufmann
Für die Revanche - ebenfalls von dem Partyveranstalter Manfred Schmidt organisiert - steht gestern Abend in der festlich illuminierten Phoenixhalle des Römerkastells prompt der Fußballtisch bereit. Vor einem Jahr hatte der Süden (ein Zweierteam mit Oettinger und Daimler-Chef Dieter Zetsche) mit fünf zu drei gegen den Norden (Wulff und Nationalspieler Gerald Asamoah) gewonnen.

Diesmal siegen Oettinger und seine Lebensgefährtin Friederike Beyer gegen das Ehepaar Christian Wulff und Bettina Körner mit fünf zu zwei. "Im Fußball sind wir eben besser!", frohlockt der Baden-Württemberg. In der Politik freilich sehen sich die zwei CDU-Ministerpräsidenten beide als Sieger. "Starke Bundesländer sind Garanten für eine gute Entwicklung Deutschlands", findet Oettinger. "Die Begegnung kann beiden helfen." Dies gilt gerade in turbulenten Zeiten, in denen sich die Wirtschaftslage eintrübt.

Auch wenn die Finanzkrise das Wort des Jahres ist, sollte man das Wort Party nicht aus dem Sprachschatz streichen, meint Promi-Wirt Jörg Mink, der mit dem Caterer Mercator die Vips verköstigt. Gute Stimmung sei schon aus psychologischen Gründen nötig, damit es wieder aufwärts geht.

Nord trifft Süd - bereits auf dem roten Teppich. Der Gast aus Hannover kommt zuerst (von einem Vortrag bei der Sparkasse in Villingen-Schwenningen), dann der Stuttgarter Gastgeber, der von der Weihnachtsfeier der CDU-Landtagsfraktion zum Nord-Süd-Dialog in den Stuttgarter Nordosten eilt. Herzlich begrüßen sich die CDU-Politiker, die viele Gemeinsamkeiten haben. "Beide haben jeweils eine junge Frau", bemerkt eine Besucherin.

Und beide stellen sich mit ihren jungen Frauen Bettina Körner und Friederike Beyer geduldig den Fotografen. Kurz vor Weihnachten ist das nahende Fest ein Gesprächsthema. Oettinger verrät, dass er für seinen Sohn eine Gitarre gekauft hat und dass er sich selbst viel Schnee wünscht - an den Feiertagen will er Ski fahren. Das Ehepaar Wulff gibt sich bescheiden. "Bei uns war Weihnachten noch nie eine Konsumschlacht", meint Bettina Körner, die First Lady von Niedersachsen, die mit der in Hannover lebenden Gruppe Marques nach Stuttgart geflogen ist.

Ebenfalls aus dem Norden reiste Klaus Meine von der Rockband Scorpions an, während sich der Stuttgarter Kabarettist Christoph Sonntag etwas verloren in der Phoenixhalle umsieht: "Es sind heute nur wenige Künstler aus dem Land da - weil ihre Geschäfte boomen und alle Auftritte haben."

Nord trifft Süd - und manche, die gar nicht da sind, drängt es sogar noch tiefer in den Süden. Ministerpräsident Oettinger reagiert aktuell auf den Bericht unserer Zeitung, wonach der Künzelsauer Schraubenmilliardär Reinhold Würth seinen Wohnsitz nach Salzburg verlegen will: "Ich akzeptiere seine Lebensplanung und bin mir sicher, dass er sich auch weiterhin in Baden-Württemberg kulturell engagieren will." Auch sonst sorgt die Nachricht für Gesprächsstoff im Römerkastell.

Vor der Phoenixhalle haben die Organisatoren ein großes Zelt aufgebaut, weil eine so hochkarätig besetzte Feier (dabei: führende Lenker der Autoindustrie wie Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und Audi-Chef Rupert Stadler, Bestseller-Autorin Gaby Hauptmann, Sportlerin Magdalena Breszka) auch optisch glänzen will. Der Abend der zwei Länder dient der Kommunikation, der Vertiefung von Netzwerken - da soll Rahmenprogramm nicht stören.

Es bleibt bei kurzen Ansprachen der beiden Ministerpräsidenten und des Stuttgarter OB Wolfgang Schuster. Dabei fällt die Rede von Christian Wulff besonders knackig aus. Der Süden mache mehr Wind. Der Norden dagegen habe mehr Wind, sagt Wulff. Es komme darauf an, gemeinsam die Segel richtig zu setzen.

Außerdem kann sich der Gast sanften Spott über eine Begrüßungsanzeige der hiesigen Landesregierung nicht verkneifen, die die verwandten Wappentiere Niedersachsens und Stuttgarts zum Inhalt hat: "Eingeführt 1938" stand unter dem Stuttgarter Rössle, "Eingeführt 1946" unter dem Ross aus Niedersachsen. Offenbar ein Irrtum. "Wikipedia muss umgeschrieben werden", sagt Wulff süffisant. "Das niedersächsische Ross geht in Wahrheit bis aufs 14. Jahrhundert zurück."

Humorige Nachhilfe in Landeskunde. Aber auch Wulff stellt die Gemeinsamkeiten heraus. "Wenn Wiedeking und Winterkorn, wenn Uwe Wück und Bernd Osterloh über die Zukunft reden, werden sich einige warm anziehen müssen." Zwei Automobilländer im Vorwärtsgang.

Wirtschaftsminister Ernst Pfister freut sich: "Das ist eine gelungene Veranstaltung von zwei Bundesländern." Auch Fußball-Weltmeister Guido Buchwald ist voll des Lobes: "Hier lernt man was dazu. Nach diesem Abend ist man auf Ballhöhe." Flughafenchef Walter Schoefer zeigt sich "erstaunt, wie viele Unternehmer aus Baden-Württemberg mit Niedersachsen zusammenarbeiten".

Er habe an diesem Abend "viele gute Gespräche" geführt, daraus müssten nun "gute Geschäfte" werden. "Wenn sich zwei Länder, deren Hauptzweig die Autoindustrie ist, so ungezwungen treffen, ist das ein sehr gutes Zeichen", meint VW-Chef Martin Winterkorn. Das Fazit von Utz Claassen, des früheren EnBW-Chefs mit norddeutschen Wurzeln: "Baden-Württemberg hat das besser in Szene gesetzt als letztes Jahr die Hannoveraner."
 

Uwe Bogen, Jan Sellner, Frank Krause

18.12.2008 - aktualisiert: 18.12.2008 18:37 Uhr

 



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