Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten vom 08.01.2009
Sieben Leben
Liebe ist nicht vorgesehen
Gleich zu Beginn kündigt der Finanzbeamte Ben Thomas (Will Smith) seinen Freitod an, dann beschimpft er völlig unmotiviert einen Telefonverkäufer und wimmelt kaum weniger barsch seinen Bruder ab. Kein Zweifel: Dieser Mann ist fertig, ein verbitterter Zyniker. Rückblenden zeigen die Ursache: Bei einem Unfall hat Ben den Tod von sieben Menschen verursacht, darunter seine Frau. So schwer trägt er an seiner Schuld, dass nun sein einziger Lebensinhalt darin besteht, das Leben von sieben Menschen zu retten oder wenigstens zu verbessern - wenn diese es in seinen Augen verdienen.
So überlässt er seine Strandvilla einer Mutter zweier Kinder, die von ihrem Freund misshandelt wurde, nachdem er zuvor in ein Motel gezogen ist. Und unter dem Vorwand, über ihre Steuerschulden zu sprechen, sucht er die herzkranke Emily Posa (Rosario Dawson) auf. Die hübsche junge Frau ist zunächst irritiert über den sich fast schon aufdringlich um sie kümmernden Fremden, verliebt sich aber allmählich ihn. Auch bei Ben regen sich Gefühle, Emily scheint dem Lebensmüden neuen Lebensmut einzuhauchen - doch er wehrt sich heftig dagegen, denn Liebe ist nicht vorgesehen in seinem Sühneplan, der ein größeres Opfer verlangt.
Lange lässt Regisseur Gabriele Muccino die Zuschauer über Bens wahres Ziel rätseln, und wie schon in "Das Streben nach Glück" besetzt er Will Smith gegen dessen Strahlemann-Image: Der Star spielt den von Bitterkeit zerfressenen Finanzbeamten so überzeugend, dass man ihn kaum wiedererkennt. Auch Dawson nimmt man die Todkranke jederzeit ab, überhaupt gefällt an beiden Akteuren, dass sie ihre tragischen Rollen nicht überziehen, wie überhaupt den Film ein angenehm zurückhaltender Ton prägt. Bis zum überraschenden Schluss - der lässt den Plot auf einmal als heillos konstruiert erscheinen und das zuvor eher vermiedene Pathos ungehemmt strömen.
Der Film stelle, so der Verleih, "provokative Fragen über Leben und Tod, Bedauern und Vergebung, Liebe und Erlösung". Was vor allem provoziert, ist die Beantwortung dieser Fragen mit einer überlebensgroßen Büßerfigur und einem pseudoreligiösen Erlösungsgedanken.
Oliver Stenzel
08.01.2009 - aktualisiert: 08.01.2009 11:32 Uhr