Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten vom 15.01.2009
Twilight - Biss zum Morgengrauen
Für immer siebzehn sein
Bella himmelt schon einige Tage lang ihren blass-schönen Mitschüler Edward an, mit dem irgendetwas nicht zu stimmen scheint. Dann stellt sie ihm endlich die entscheidende Frage: "Wie alt bist du?" "Siebzehn", antwortet er verlegen lächelnd. Doch Bella hakt nach: "Und wie lang bist du schon siebzehn?", fragt sie. "Eine ganze Weile", gibt er zu. Tatsächlich ist Edward schon seit dem Jahr 1919 siebzehn Jahre alt: Seither ist Edward ein Vampir. Das hindert Bella, die neu ist in dieser Kleinstadt, in der die Sonne nie scheint, keinesfalls daran, sich in den seltsamen Jungen zu verlieben.
Stephenie Meyers Bestsellerromane "Twilight" (drei Bände sind bisher in Deutschland erschienen) variieren einmal mehr die Geschichte von der verbotenen Teenagerliebe, erzählen von der Schönen, die sich in den Außenseiter verknallt. Nur dass der Schulrebell diesmal nicht Lederjacke trägt und Motorrad fährt, sondern tot ist und Blut trinkt. Allerdings - schließlich gehört er zu einer Gruppe um Anpassung bemühter Vampire - begnügt er sich mit Tierblut. Doch nicht alle Vampirdynastien sind derart domestiziert. Und bald haben es einige mordlüsterne Blutsauger auf Bella abgesehen.
So ungewöhnlich, wie die Geschichte von "Twilight" zu sein vorgibt, ist sie nicht. Schon in Joss Whedons Fernsehserie "Buffy im Bann der Dämonen" ging es um die unmögliche Liebe zwischen einem beseelten Vampir und einem mutigen Mädchen. Catherine Hardwicke ("Dreizehn") fällt es in ihrer Verfilmung des Bestsellerstoffs auch offensichtlich schwer, die Story ernst zu nehmen. Sie flüchtet sich lieber in Ironie - etwa wenn sie die erste Begegnung von Bella (Kirsten Stewart aus "Panic Room" und "Into The Wild") und Edward (Robert Pattinson, der in den "Harry Potter"-Filmen die Rolle des Cedric Diggory gespielt hat) als symbolüberfrachtet und von einem Ventilator durchgepustet als Teeniefilm-Parodie inszeniert.
Obwohl Hardwicke den Film kunstvoll in eine kühl-blaue Ästhetik hüllt, vertraut sie den Bildern wenig und ergänzt diese ständig durch Off-Kommentare. Noch unnötiger ist nur der Namenszusatz, der in Deutschland der Buchreihe und dem Film verpasst wurde. Einen Kalauer wie "Bis(s) zum Morgengrauen" hat die Vampirsaga "Twilight" nicht verdient.
Gunther Reinhardt
15.01.2009 - aktualisiert: 15.01.2009 11:19 Uhr