Weinstadt - Seit Jahren versucht der Verein Maultasche die Spezialität in seiner urschwäbischen Variante zu verteidigen. Die Vereinsmitglieder machen aus ihrem Streben allerdings kein Dogma - wie ihr Maultaschenangebot zeigt.
Zusammen mit alten Freunden von der Schule entwickelte der heute 41-jährige Carsten Martin eine Strategie gegen die Verfremdung der typischen schwäbischen Spezialität.
Zunächst lernten die Schüler selbst, wie man schwäbische Maultaschen traditionell herstellt. Seither treffen sie sich an jedem Karsamstag in einem Gartenhaus bei Weinstadt-Baach zum Wettkampf mit Nudelteig, Fülle und Fleischbrühe. Natürlich sind auch Gäste willkommen, aber auch die müssen sich auf eine gnadenlose Bewertung einstellen.
Ganz schlechte Karten am Herd hat, wer etwa Fisch im Teig versteckt oder gar Knoblauch in der Fülle als die Erfüllung ansieht. In eine richtige schwäbische Maultasche gehören Wurstbrät und Hackfleisch in einem ausgewogenen Verhältnis, Ei, altbackenes Brot, Petersilie, Zwiebeln und Lauch und natürlich Salz und Pfeffer - sonst nichts.
Nur in dieser Variante dürfen sich die Herrgottsb'scheißerle nach der Vereinssatzung schwäbisch nennen. Doch die bekennenden Maultaschenfans um Carsten Martin sind tolerant und weltoffen genug, um auch andere Spielarten zuzulassen. Bei einem Wein- und Maultaschenabend servieren sie ihren Gästen neben der Urfassung beispielsweise auch eine Wildfüllung im Nudelteig und sogar einen süßen Abkömmling der Schwabenspeise. Im Mai soll die Veranstaltung wiederholt werden. Außerdem denken Martin und der Strümpfelbacher Weinmacher Werner Kuhnle an Diskussions- und Vortragsabende zu diesem Thema.
Nicht nur dort wird Vereinschef Martin die Frage aufwerfen, warum man heute Zutaten teuer einkauft, um ein Reste-Essen zu machen. Nichts anderes sei die Maultasche. "Früher kam rein, was man g'hett hott", ist Martin überzeugt. Die Hausfrauen hätten damals überhaupt keine Zeit dafür gehabt, um über komplizierte Rezepte nachzudenken", meint der Vereinsvorsitzende. Womit sich auch die Frage stellt, woher die Maultasche eigentlich stammt. Von allen historischen Überlieferungen hält der Verein nichts. Die Idee, Füllungen in Teig zu verpacken, sei so genial, dass sie an vielen Stellen der Erde gleich mehrfach erfunden werden musste.