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Aktion "Blau macht blöd"

"Nachts um zwölf waren alle ratzevoll"

Szene aus dem Film
Foto: StN

Fellbach - Alkoholexzesse von Jugendlichen: Was vor einigen Jahren allenfalls bei Randgruppen zu finden war, ist zu einem allgemeinen, bedenklichen Phänomen geworden. Schon 13-Jährige landen sturzbetrunken in der Klinik. Fellbach startet jetzt eine Gegenstrategie. Motto: "Blau macht blöd".

Nächtliche Saufgelage auf Supermarkt-Parkplätzen, Komasaufen bis zum Delirium, Vorglühen an der Tanke, Kübeln bis der Arzt kommt. Die Schlagzeilen zum Kampftrinken reißen nicht ab. Wie dramatisch die Situation geworden ist, zeigt die Statistik: In der Region Stuttgart wurden im Jahr 2001 (als diese Zahlen erstmals erfasst wurden) rund 380 Jugendliche nach Alkoholkonsum im Krankenhaus behandelt. Im Jahr 2007 waren es bereits fast 900 Mädchen und Jungen im Alter zwischen 13 und 19 Jahren, die betrunken in der Klinik landeten.

Städte und Landkreise haben in den vergangenen Monaten diverse Initiativen zur Alkoholprävention entwickelt. Kornwestheim etwa diskutiert seit einem halben Jahr über ein Alkoholverbot auf öffentlichen Plätzen; entscheiden ist bisher nichts. Göppingen, Esslingen und Ludwigsburg beteiligen sich als drei von bundesweit 52 Städten am Projekt "Halt - Hart am Limit". Dabei werden jugendliche Trinker noch in der Klinik angesprochen, warum es zu dem Exzess gekommen ist.

In Fellbach setzt ein neues, großangelegtes Projekt auf den "verantwortungsvollen Umgang mit dem Genussmittel Alkohol", erläutert der Erste Bürgermeister Günter Geyer. Ein Baustein ist der für 15.000 Euro entstandene Film "Alkohol - vom Genussmittel zum Komasaufen." Der von Regisseur Paul Sebastian Moreau, einem Absolventen der Ludwigsburger Filmakademie, konzipierte Streifen richtet sich vor allem an Schulklassen und Jugendgruppen.
Vier Fellbacher Jugendliche im Alter zwischen 17 und 20 hat Moreau in dem schnell geschnittenen Film befragt. Dazu kommen Interviews mit Rettungssanitätern und einem Suchtarzt. Aniela Heubach etwa berichtet von einem Alkoholerlebnis: "Ich weiß nichts mehr von dem Abend, ich hatte einen kompletten Filmriss." Daniel Woide schildert das erste Mal mit dreizehneinhalb, es war auf einer Gartenparty: "Nachts um zwölf Uhr waren alle ratzevoll." Er selbst verbrachte die Nacht in der Ausnüchterungszelle.

Weiterer Bestandteil der Aktion "Blau macht blöd" ist eine Zertifizierung von Fellbacher Gaststätten. Wesentliche Voraussetzung: Drei angesagte alkoholfreie Getränke müssen günstiger als das billigste alkoholische Getränk sein. Außerdem will die Initiative die Sportvereine für das Thema sensibilisieren. Heiße es doch oft zurecht, dass "Kinder im Sportverein erst lernen, richtig zu trinken"

Der Präventionsfilm "Alkohol - vom Genussmittel zum Komasaufen", ist am heutigen Donnerstag, 19 Uhr, erstmals öffentlich im Fellbacher Rathaus zu sehen. Für zehn Euro kann der Film bei der Stadtverwaltung (Telefon 07 11/ 58 51-480) als DVD erworben werden.

Mehr zu diesem Thema lesen Sie in der Ausgabe der Stuttgarter Nachrichten vom Donnerstag, 12. Februar 2009.
 

Dirk Herrmann

11.02.2009 - aktualisiert: 11.02.2009 18:07 Uhr

 



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