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Neues Album der Nu-Jazzer Netzer

Das unerbittliche Pulsieren einer Metropole

Am 19. Februar Konzert in den Wagenhallen
 

Stuttgart. - Markus Birkle nimmt Klang nicht als gegeben, er erarbeitet ihn, forscht bewusst nach Tönen. "Klang zu kontrollieren, interessiert mich", sagt er. Folgerichtig hat er seinen vielfältigen Aktivitäten als Gitarrist bei den Fantatischen Vier oder Netzer ein zweites Standbein hinzugefügt und sich in den Wagenhallen ein Studio aufgebaut.Binnen kurzer Zeit hat er sich als Produzent etabliert, Jazzcombos wie Rockbands suchen bei ihm, was es heutzutage kaum noch gibt: den warmen Klang der analogen Ära.

Darauf hat Birkle sich spezialisiert, er sammelt alte Mikrofone, Bandmaschinen, Röhrengeräte, ersteigert Dinge im Internet und kauft auf, was Rundfunksender aussortieren. Er empfiehlt Bands, gleichzeitig live einzuspielen, um die Energie des gemeinsamen Musizierens festzuhalten, und er arbeitet mit dem Raum. "Man muss nur die Mikrofone ein bisschen anders postieren, und schon klingt zum Beispiel ein Schlagzeug völlig anders. Seit ich produziere, hat sich mein Blick verändert, auch im Hinblick darauf, wie die Bands klingen, in denen ich selbst spiele."

Eine davon ist das Stuttgarter Nu-Jazz-Trio Netzer, in dessen Proberaum in den Wagenhallen das Studio entstanden ist. Neun Jahre nach dem Debütalbum "Pressing" erscheint nun endlich der Nachfolger. Der Titel "Mailand - Madrid" entspringt wieder dem Faible der Band für Fußball-Anspielungen und erinnert an eine denkwürdige Aussage Andy Möllers ("Mailand oder Madrid, Hauptsache Italien"). "Netzer ist ein langfristiges Projekt", erklärt Birkle. "Wir sind gute Freunde, eine Art Familie. Wir bleiben dran, machen uns aber keinen Druck und leben von anderen Projekten." Er zum Beispiel von der Mitwirkung in der Band der Fantastischen Vier: Seit neun Jahren steht er mit den Rappern auf der Bühne und steuert im Studio Gitarrenklänge zu deren Alben bei.

Mit Netzer ist Birkle ins Studio des Stuttgarter Pianisten Uwe Schenk gegangen, doch seine eigene Philosophie ist deutlich hörbar: Die Gitarre, Markus Bodensehs Kontrabass und Oli Rubows Schlagzeug klingen pur und extrem transparent, die ganze Aufnahme verströmt eine ungewöhnliche räumliche Tiefe. Die Stücke gehen ineinander über und beziehen sich aufeinander, und die Musiker rufen ein breites Gefühlsspektrum ab, wenn sie Gitarrenimpressionen, Bassläufe und tickende Beats ineinander verweben. Mal scheinen sie losen Gedankenketten in der Weite verträumter Sonntagnachmittage zu folgen, mal gießen sie Empfindungen in Klang, in denen das unerbittliche Pulsieren einer Metropole in all ihrer Enge und Überhitzung mitschwingt.
 

Bernd Haasis

15.02.2009 - aktualisiert: 15.02.2009 18:46 Uhr

 



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